Samstag, 5. Januar 2013

sisyphos V - mea culpa


das ist sie, die bittere wahrheit - mea culpa

ja, ich bins schuld, daß dich diese red mit ihrem "danke, wir haben deinen mist zur kenntnis genommen und gerade weggeworfen. hoffentlich hast du ne kopie sonst bist du ziemlich blöd dran." so auf den wecker geht: 

ich, der verdammte hinterwald, habe eine email an alle möglichen, inklusive des zentralrats der muslime in deutschland geschrieben - und nicht nur die, es gibt noch einiges hinten-dran - und die haben mir doch glatt meinen sehnlichsten wunsch erfüllt.

lern draus, daß es blödsinn ist, sich etwas zu wünschen und am schluss inkompetente azubis oder praktikanten dir die texte verstümmeln, die man in der einhaltung der form gedrillt hat, wie man wahrscheinlich früher junggermanen in den ordensburgen eine schulung verpasst hat, bevor sie mit den mädels von der bdjm blonde nachkommenschaft zeugen sollten: 

die haben es gelernt, kleine fleissige arbeitsbienen zu sein und am fließband mit der schere alles rauszuschneiden, was früher auf dem level "deutsche frauen schminken sich nicht und rauchen nicht auf der strasse" gewesen wäre - es ist im kern die selbe bigotte hybris sich einer als gebildet ausgebenden elite, die ihre drohnen die drecksarbeit machen läßt, und die sich so gegen die jetzt-zeit glaubt wehren zu können.

ich sitze also da und starre auf einen monitor

einer dieser arbeitsdrohnen ohne auch nur den bruchteil des terrains der frage des antisemitismus und der deutschen geschichte und ihrer tabus erkundet zu haben, die ich mir in den letzten 40 jahren so zusammengehört (ich höre radio, das gute. meine götter sind paul assal, wolfram wessels und peter michel ladiges) und gelesen habe, das verständnis dessen, was zeitgeschichte in diesen vier jahrzehnten für einen zeitzeugen bedeutet, der die augen aufgehalten hat, sitzt vor seinem monitor und schneidet mir meinen text weg.

klasse. und zu allem überfluss bin ich es selbst schuld.

in vielerlei hinsicht: 

die eine ist die, daß ich (höchstselbst) diese verdammte email geschrieben habe, statt einfach "hätt ich bloss mein bleedie fress gehall'" von triebwagen zu hören und mir schon damals zu sagen: "sollen die doch vor die hunde gehen, die idioten von der "zeit". was kümmert mich das, wenn sie zu blöd sind zu bemerken, was sich da abzeichnet. daß dem mob in zwei, drei jahren das forum gehören wird und sie mit zensieren nicht mehr nachkommen werden".

aber nein. ich war blöd. mir lag ja was an der zeit. wirklich: zu dumm.

die welt damals war eben noch nicht die, in der jemand 148 zeichen tweetet und damit die welt herunterfährt. es war die, in der die qualitätsmedien das forum waren und man wollte eben einerseits seine meinung einem möglichst großen publikum unterbreiten (die übliche dumme hybris eben) und anderseits den laden halbwegs "sauber" halten - im sinne von "netiquette" und nicht im sinne von "politische meinungen totknüppeln".

wobei es ja dummerweise so ist, daß dumme menschen mit noch dummeren ansichten keinen anstand haben. viel zu hoch für die. deshalb ist das, was an rechtem pöbel passiert, ja auch so schlecht zu überzeugen. einerseits hören sie nicht zu, andererseits sind sie schlicht zu dumm, das, was man ihnen sagt, auch zu verstehen. 

zu blöd, aber so isses.

und noch blöder: es hat abgefärbt.

heute ist ein "forum" eine "arena" und es fließt blut. es geht fast ausschließlich um recht-haben, sich in seiner pose so gut wie möglich zu inszenieren, egal welche das auch immer sein mag. 

eine generation von kindern, die nicht geschlagen wurde und den marsriegel an der kasse zur not hysterisch erbrüllte, die mit nachmitäglichen talkshows sozialisiert wurde, gibt längst den ton an. 

die art, wie die zeit damals reagierte, zeigt die ganze sinn- und hoffnungslosigkeit. weil - das problem, das sich - seien wir ehrlich - stellt, sieht wie folgt aus: 

die drohne am schirm ist eher verwirrt davon, daß plötzlich so viele brüllen und unappetittliches artikulieren, daß sie sich fragt "und wenn die recht hätten?". man will ja im grunde die kundschaft nicht vergräzen, und wenn sich ein paar dort die schädel einschlagen, erzeugt das eine gewisse klickrate. also beschränkt man sich auf die einhaltung "des guten tons". oder dem, was man als drohne eben so als "guten ton" versteht.

also die eigene begrenztheit und die angst, am ende nicht mitlaufen zu können, wenn wieder alle in die selbe richtung laufen. das tabu eben: wir halten es nicht aus, nicht "dabei" zu sein. bei was auch immer.

oh je, ich schleudere schon wieder so rum

ich bin auch deshalb "schuld" daran, weil ich mir diesen als sinnlos erkannten quatsch überhaupt gebe, statt mir noch drei folgen "the walking dead" staffel drei reinzuziehen, in einem forum an einer diskussion teilzunehmen. ich weiss doch wie das läuft: heuchler, rechthaber, eine menge dummer, lauter leute, die im grunde in erster linie immer reproduktionen dessen ausspucken, was sie gerade gehört und gelesen haben. 

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