Donnerstag, 31. Januar 2013

aus den archiven: sylvester

ich habe vorgestern kurz über meinen großvater geredet, gestern bekam ich - wie's der zufall so will - einen hefter mit einem manuskript in die hand gedrückt, an dem ich 1989 arbeitete und dessen inhalt ich auf meiner ersten homepage komplett veröffentlicht hatte.

wie das so ist, mit den zufällen

letzte woche gab es im deutschlandfunk ein paar interessante beiträge zum thema "saarland", ua. das hervorragende feature "Herzasthma des Exils - Das Drama des Renegaten Gustav Regler" von christoph vormweg, "verfassung per ordre" von tonia koch und den beitrag "das saarland" von denise dreyer, die sich alle mit den nachriegskapiteln des saarlandes befassten.

zufall nr 1 ... letzte woche drei radiofeatures
zufall nr 2 ... der saarland tatort vom sonntag
zufall nr 3 ... die mappe gestern

und - gestern war jahrestag der "machterschleichung"

jetzt mal ehrlich - so viel zufall gibt es nicht, das schreit nach der errichtung eines kleinen "hausaltars" auf diesem blog für meinen großvater sylvester. er ist der autor dieser kleinen grünen kladde, die ich (1994 in meinen pc) 1989 in meinen zweiten rechner, einen sharp MZ 700, tippte, um sie "für die nachwelt" zu erhalten. deshalb war sie auch teil meiner ersten homepage unter dem titel

"geschichten aus dem köllertal"



als ich vor ein paar jahren mal die "waybackmachine" antestete, konnte ich noch auf sie zugreifen, heute ende ich bei einer vorschau von fortunecity, was aber kein problem ist ... ich bin ein hamster und sowas findet sich in meinem archiv vollständig wieder.

beim googlen bin ich tatsächlich auf einen einzigen eintrag gestoßen, der auf dieses manuskript verweist, die ahnenforscher sind halt emsige, fleissige gesellen und gesellinnen. aber ... naja, der link ist so tot wie die "waybackmachine" in dieser hinsicht.

also habe ich mal schnell in die kiste gegriffen, sein manuskript hervorgezaubert und ein bißchen dran herumgeschraubt.

nun sind seine geschichten nicht für jedermann von interesse, naja für "köllertaler" schon, so daß ich mich auf zwei, drei ausschnitte und das vorwort, daß ich "damals" für eine buchausgabe verfasste, beschränken werde.

was aus diesem manuskript geworden ist, ist eine nicht lange aber leider häßliche familiengeschichte, die im wesentlichen darauf hinausläuft, daß sich jemand sehr viel mühe macht eine grüne kladde und ihren autor vor dem vergessen zu retten sucht ... und jemand anders sich sehr häßlich verhält, sich die meriten auf seine fahnen schreiben läßt und meine vorarbeit als kleine randnotiz am ende des buches, das in einer kleinstauflage erschien, kurz anmerkt. schon klar.

das ist aber nicht das thema dieses blogeintrages, 

der nach 14 jahren erneut den versuch unternimmt, einem mann einen platz in diesem "internetdingens", der "wolke" zu geben, der ihn sich verdient hat, jedenfalls mehr als ich, das ist mal sicher. . und sei er auch noch so klein und unbedeutend.

ich hatte es ja nie mit echten nazischergen zu tun. er hat sie kennen gelernt, weil er mitglied der "vitus heller bewegung" war und beim "kampf um die saar" auf der seite der verlierer sein "heim ins reich - aber nicht gleich" tapfer hochhielt ... und dann erst mal einkassiert wurde.

die darauf folgende geschichte, spielt sich in der familientradition so ab: ein bekannter mit kontakten setzte sich für ihn ein, er kam unter der bedingung, auf politische aktivitäten zu verzichten wieder frei, wäre gerne mit seinen parteigenossen in's exil gegangen ... ließ es aber auf bitten seiner frau ("was soll aus den kindern werden?") sein.

man möge mich korrigieren, wenn jemand eine korrektere variante oder die historische wahrheit kennt. so kenne ich sie. ich kenne auch die fortsetzung, die wohl darin bestand, daß seine frau zu einem hohen nazifeiertag eine hakenkreuzfahne aus dem fenster hing ... und die franzosen, als sie die saar _befreiten_, ihm ein photo von der fahne zeigten ... und ihn einkassierten.

das ist etwas, worüber man nachdenken sollte.

als ich sie hörte, beschloss ich, in so einer situation nicht auf meine frau zu hören.

die geschichte ging ja weiter und das schicksal gustav reglers, die erzählungen über die frühen jahre nach dem krieg mit JoHo (johannes hoffmann, dem ersten ministerpräsidenten an der saar) im feature von tonja koch, lassen mich ahnen, welche kleinen dramen sich abspielten.

sylvester jedenfalls wurde nun von seinen früheren freunden als nicht mehr sonderlich zuverlässig eingestuft, sie mieden ihn, er wurde später mitglied des saarländischen landtages.

all dies gehörte zu den dingen, die er mir nie erzählt hat.

was ich einerseits traurig finde, ich habe ihn immer sehr gemocht, meine ersten sechs lebensjahre in seinem haus verbracht, in dem aber weniger die politische debatte als das kniebänkchen meiner ebenso heiss geliebten oma regierte, das in der fastenzeit aus der besenkammer geholt wurde und auf dem dann rosenkränze heruntergebetet wurden.

ich frage mich schon, wer ihm verbot, über diese dinge zu reden. ich denke nicht, daß das seine frau war, eher jemand, der aus seiner lebensgeschichte eher die konsequenz zog, daß, wenn man es zu etwas bringen will, sich besser anpassen sollte, und es auch "zu etwas gebracht" hat. ja, er hat sogar ein buch veröffentlicht.

er ist stadtbekannt und wird sicher in der chronik seiner heimatstadt verzeichnet

es muss einem was liegen, an so was

mir lag etwas an diesem grünen ordner voller geschichten, der auch - mmaw flucht über den verlust - die unter den nazis geforderte ahnentafel, das verzeichnis der vorfahren bis in's 15. jahrhundert zurück verfolgt wurde. daran liegt mir wiederum nur sehr wenig.

aber so sind menschen eben, die einen interessieren sich für "so was" und andere eher für "was anderes".

lange vorrede, kommen wir zum lyrischen teil des abends, meinem vorwort ...
Acht Jahre lang stand in meinem Bücherregal ein grüner Ringordner, die kleinen Din-A-5 Blätter beidseitig eng mit einer altertümlichen Schreibmaschine gefüllt, der einzige Gegenstand, der mir von einem Mann geblieben ist, dessen Namen heute, fast zwanzig Jahre nach seinem Tod, wohl nur noch denen in Erinnerung geblieben sein dürfte, die ihn persönlich kannten.

Sie werden seinen Namen vergeblich in einem Geschichtsbuch oder einem Nachschlagewerk über "Grosse Männer und ihr Wirken" suchen und nur dann, wenn Sie Spass an der Lektüre der Protokolle des Landtages in Saarbrücken haben, werden Sie vielleicht über seinen Namen stolpern. Nur die "Sieger", jene also, die ihr Recht mit brutaler Gewalt durchsetzen können, nehmen mit ihrer Person Platz auf der Tribüne, die von uns Geschichte genannt wird, Männer also wie jener böhmische Gefreite, den Rudolf Augstein in einem kürzlich erschienen Artikel den "letzten Terroristen der Geschichte" nannte, und dessen Geburtstag sich gestern zum einhundertsten Mal jährte.

Die Namen derer, die mit ihrem Leben den Preis bezahlen mussten, die in den Feueröfen und Gaskammern den Brennstoff lieferten für eine Maschine, die sich bis an die Grenzen Europas den Weg freiwalzte, diese Namen verwittern auf ungelesenen Bronzetafeln, und auch die Namen derer, die für ihr Recht auf eine eigene Meinung die Gefängnisse bevölkerten, vergilben in ungelesenen Akten.

Was wäre wenn ... 
Was, wenn Geschichte nicht mit Blut sondern mit Vernunft und der Arbeit fleissiger Hände geschrieben würde? Was, wenn nicht die Namen derer in den Bücher stünden, die knöcheltief im Blut wateten, um dorthin zu kommen, sondern die Namen derer, die "nichts anderes" taten, als ihre Felder zu bestellen, ihre Kinder grosszuziehen und ihrem Herrgott dafür zu danken, dass das Essen auf ihrem Tisch auch noch für einen gerade eingetroffenen Gast reichte?

Was, wenn sich jene Männer durchgesetzt hätten, die 1935, als der "Kampf um die Saar" entbrannte, mit ihrem leisen "Heim in's Reich Doch nicht gleich" gegen das hasserfüllte Geschrei derer anliefen, die in ihrer Blindheit einen "neuen Messias" zu ihrem Führer haben wollten, als ob es dessen Buch nicht gegeben hätte, in dem der Fahrplan in das Inferno längst veröffentlicht worden war?

Nun, es ist müssig darüber zu spekulieren, was aus der Saar geworden wäre, wenn sich die Männer der "Vitus-Heller-Bewegung", so nannte man die Parteigänger der CSRP, deren Mitglied mein Grossvater war, durchgesetzt hätten mit ihrem Wunsch, den böhmischen Gefreiten erst einmal "auszusitzen" und ein demokratisches Deutschland abzuwarten. Wir wissen heute, dass nicht einmal jeder Zehnte sich dem Taumel entziehen konnte, der die Söhne des Landes schliesslich bis in die Hölle von Stalingrad treiben sollte und uns "Nachgeborene" noch heute mit Scham erfüllt bei dem Gedanken an die Leichenberge, die sich vor den Befreiern auftürmten, als diese die Konzentrationslager betraten.

Was wäre wenn ... Was, wenn wir statt den salbungsvollen Reden unserer Politiker den Geschichten lauschen würden, die vom Leid und der Arbeit unserer Vorfahren erzählen? Würden wir weiterhin wie gebannt auf das letzte grosse Ausrufezeichen warten müssen, das eines vielleicht gar nicht so fernen Tages das Ende unserer Geschichte mit einer Feuerwalze in den Sternenhimmel schreiben wird?

Alle diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich den grünen Ringhefter zur Hand nahm, nach Jahren wieder las und beschloss, die in ihm gefangenen Geschichten zu befreien. Sie sind das, was ein alter, längst verstorbener Bergmann seinen Nachkommen zu erzählen hat, sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und der wissenschaftlich daran Interessierte, wird sich enttäuscht finden.

Mein Grossvater hatte sie ursprünglich "Geschichte des Köllertales" betitelt, aber diesem Anspruch kann das vorliegende Buch wohl nicht gerecht werden, weshalb ich den Titel eigenmächtig in "Geschichten aus dem Köllertal" umgewandelt habe. So kann sich niemand, der nun eine umfassende, mit Quellenverweisen versehene Arbeit erwartet, von einem falschen Versprechen getäuscht sehen. Die Quellen, über die er wohl verfügt haben muss, als er an seinem Buch arbeitete, die Kopieen aus den Archiven, die er sich besorgt hatte, all das ist mir nicht mehr zugänglich.

Was ich vorfand war, wie bereits beschrieben, ein grüner Ringhefter, mit beidseitig eng beschrieben Din-A-5-Seiten. Ich habe den Text so übernommen, wie er war und nur an den Stellen, an denen es unumgänglich wurde, in seine Sprache eingegriffen oder die Reihenfolge der Kapitel geändert, wenn sich damit der Fluss seiner Erzählungen begradigen liess.

Wenn Sie nun seinen Geschichten lauschen, wird es Ihnen wie mir sicher schwerfallen, sich vorzustellen, dass er über das Köllertal redet, in dem Sie vielleicht heute noch leben. Er ist all den Errungenschaften, denen wir heute ausgesetzt sind, nicht mehr begegnet, hat seine Einkäufe noch bei Menschen gemacht, die er persönlich kannte und mit denen er die Zeit zu einem kleinen Gespräch nutzte, bis der nächste Kunde kam. Er wurde nicht, wie Sie oder ich, an der anonymen Kasse ein es Konzernes bedient, vor der wir Schlange stehen müssen, bis wir zu einer Kassiererin durchgedrungen sind, die sich wohl jeden Abend schwören mag, dass sie am nächsten Morgen im Bett liegen bleiben und sich nicht mehr dem Takt ihrer Kassenmaschine unterwerfen wird.

Sie, ich und mit uns die bemitleidenswerte Kassiererin, wir sind alle Teil einer hektischen Welt geworden, die ihre Geschichten im Fernsehen erzählt, Geschichten, in denen finstere Schurken mit schnellen Autos vor dem hehren Helden fliehen, ewig grinsende Geldleute ihre Frauen betrügen und riesige Raumschiffe neuen "Lebensraum" für eine überlegene Rasse erobern.

Die Geschichte, die Geschichten haben sich nicht geändert. Immer noch, wie in der "guten alten Zeit", von der nun wirklich nicht die Rede sein soll, siegt der Starke, verliert der Schwache, und wenn uns eines Tages die entfesselte Kraft unseres "Fortschrittes" von diesem Planeten fegen wird, wird sich daran nichts geändert haben. Es wird dazu nicht eines neuen "Antichristen" bedürfen, ein falsch gesetztes "Bit" in einem "Byte", irgendwo in einem Computerspeicher, ein Stromimpuls, wo keiner hätte sein dürfen, und niemand wird die Zeit haben, sein Bedauern über die vielen Missverständnisse in seinem Leben auszudrücken.

Doch nun möchte ich Sie dem überlassen, was mein Grossvater mir und Ihnen zu erzählen hat. Es sind keine Geschichten aus der "guten alten Zeit", und es werden auch keine Heldentaten beschrieben, die einen Sitzplatz auf der Tribüne der Geschichte begründen könnten.

Setzen Sie sich mit ihm in die "Maistube" vor den grossen Küchenofen, hinter dem die Reste des Mittagessen warmgehalten werden, mit einem Glas von ihrem besten Selbstgebrannten und hören nun von ihm, wie unsere gemeinsamen Vorfahren lebten.

Ich wünsche Ihnen und mir, dass es Geschichten sind, die wir unseren Kindern noch erzählen können, und diese wiederum ihren Kindern, solange, bis die Geschichte nicht mehr von denen geschrieben wird, die ihre Namen mit Leichenbergen verewigen. 
interessant, das alles 23 jahre später noch einmal zu lesen

ich hielt das ja für ein fantastisches vorwort und - naja - ein klitzekleines bißchen bin ich immer noch stolz darauf, aber die person, die sich des manuskriptes bemächtigte, fand das wohl nicht "angemessen", das mit den leichenbergen. es ist schrecklich, sich über so etwas gedanken zu machen und so verkümmerte das erbe des sylvester als ein putzig zu lesendes geschichtenbuch über alte bräuche.

ich habe es, offen gestanden, im regal stehen - aber nie gelesen.ich will nicht wissen, wo und wie "die sprache geglättet", die "stolpersteine entfernt wurden, wo die kleinen versteckten fingerzeige auf die "gegenwart" des ursprünglichen autoren dem gebrauchswert im "hier und jetzt" zum opfer fielen.

ich kann es mir vorstellen. aber ich will es nicht wissen. und ich tue auch dem glätter nicht den gefallen, auch nur seinen namen zu nennen. er steht im buch der stadt, die er - wenn man seinen erzählungen zuhört - mit gegründet hat.

auch er mitglied einer partei, immer der nützlichsten, die ihm half, "jemand" zu werden, und seine geschäfte zu befördern. lassen wir gras darüber wachsen, so waren sie die 50er und die 60er, kinder, die im krieg gehungert hatten, sich im keller verkriechen mussten, weil draussen die bomben fielen ... wer will ihnen einen vorwurf machen daraus, daß sie andere dinge lernen wollten.

heute, ein jahr nachdem ingrid müller-münch ihr buch veröffentlicht hat, weiss ich natürlich, daß bestimmte dinge "normal" waren, those days, und was aus uns, den kindern dieser kinder, geworden ist und warum wir so sind, wie wir sind.

haben wir ein recht zu jammern und zu klagen?

ach ja, wir hätten es. aber wir müssen nicht, diese milch kommt nie wieder in die flasche zurück, sie ist verschüttet und ... nun ja, wir haben daraus gelernt und unseren kindern diese erfahrung erspart, es als generation am ende unter rot grün sogar in ein gesetz gegossen.

ich frage mich, nach all den "anti-wellen" des letzten monats, wann frau müller münch endlich die ihre bekommt, sie hätte sie verdient und wir würden mehr von ihr lernen können als von den tratsch geschichten einer jungen person, die darüber jammert, daß ein trunkenbold seine worte nicht bei sich behalten konnte.

wohlgemerkt, seine worte. die finger hat er ja.

aber - zurück zu sylvester

es gibt nicht viel, was aus dem herauszulesen ist, was er da schrieb. es basierte in seiner gänze offensichtlich auf notizen aus einer zeit, in der man als vater seinen kindern nicht per se vertrauen konnte im allgemeinen und der feind draussen vor der tür auf das falsche wort lauerte. in die kladde geschrieben hat er es, das ergibt sich aus dem text über die preussen, 1970, kurz vor seinem tod.

ich nehme einfach zwei kapitel, die ein bißchen licht auf den mann und sein denken werfen. dies ist die rohfassung, ich habe nichts verändert, das gebot der respekt

Aufstieg und Ende der Preussen

Als unsere Heimat an die Preussen fiel, wurde dieses Preussen gerade von König Friedrich Wilhelm dem III. von Hohenzollern und dessen Gemahlin, Königin Luise von Preussen regiert. Friedrich Wilhelm wurde 1770 geboren und regierte Preussen von 1797 bis 1840. Er hatte 1793 die Königin Luise von Preussen geheiratet, die das Haupt der Antifranzösischen Partei am königlichen Hof war und als Vorbild des deutschen Frauentums galt.

Ihr zum Gedenken gründete nach ihrem Tode ihr Gemahl im Jahre 1814 den Luisenorden, der 1850 und 1865 erneuert wurde, so dass daraus ein Zweiklassen-Damenorden entwickelte, in dem sich deutsche Frauen in Krieg und Frieden besondere Verdienste erwarben. Sie war schliesslich die Mutter des Königs Friedrich Wilhelm IV., dessen Bruder Wilhelm der I. 1871 in Paris zum deutschen Kaiser gewählt werden sollte.

Friedrich Wilhelm III. war 1806/1807 im Krieg gegen Napeoleon unterlegen, den dieser gegen das Königreich Preussen und Russland führte. Im Friedensvertrag zu Tilsit hatte er die Hälfte seines Reiches verloren, eine Schmach, die ihn nicht lange ruhen liess. Er berief schon kurze Zeit später Freiherrn von Stein, dessen Name aus dem Wiederaufbau nicht wegzudenken und dem der Neuaufbau der damaligen Gemeinden allein zu verdanken ist. Nur über die Gemeinden alleine war eine Erhebung Preussens gegen Napoleon I. möglich. Schliesslich hatte auch Fürst Hardenberg, damals Staatskanzler von Preussen, eine grosse Rolle als Gegenspieler des französischen Kaisers zu spielen.

Königin Luise konnte die Beendigung des schmählichen Zustandes, in dem sich Preussen nach der Niederlage befand, nicht mehr erleben. Sie starb 1810, gerade erst 34 Jahre alt. Ihrem Mann war es möglich, den Sieg über den Mann, der ganz Europa mit seinem Krieg überzogen hatte und sich schliesslich auf eine Insel zum Sterben zurückziehn musste, zu erleben und er herrschte noch bis ins Jahr 1840, als kein Mensch mehr über die Verbrechen Napoleons, vor dem Europa 15 Jahre lang gezittert hatte, redete.

Friedrich Wilhelm IV. regierte von 1840 bis 1861, gab 1848 durch die Märzrevolution gezwungen eine freiheitliche Verfassung und setzte im Jahr 1857 seinen Bruder zu seinem Stellvertreter ein, der ihm 1861 auf dem Thron folgen sollte. Wilhelm der I., der sich 1871 in Paris zum deutschen Kaiser wählen liess starb 1888, nachdem er Preussen zu einer Grossmacht in Europa gemacht hatte.

Sein Nachfolger, Friedrich III., der 1888 seinen Thron übernahm, regierte jedoch nur 99 Tage und starb bereits am 15. Juni 1888. Der Mann, der ihm nun folgen sollte, verspielte jedoch sein Erbe.

Der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II. starb, nachdem er Europa in den 1. Weltkrieg gestürzt hatte, in Holland im Exil. Dieser Krieg, der von 1914 bis 1918 dauerte und 5.000.000 Tote mit sich bringen sollte, brachte als Ergebnis schliesslich die Republik. Am 9. November 1918 trat vormittags 10.00 an allen Kriegsfronten ein Waffenstillstand in Kraft.

Bei einem Regimentsapell, zu dem unser Oberst die Soldaten seines Regimentes zusammengerufen hatte, verkündete er mit Tränen in den Augen, dass Kaiser Wilhelm der II, der letzte Hohenzollern auf dem deutschen Kaiserthron auf den Rat des Generalfeldmarschalls von Hindenburg und seines Generaldquartiermeisters General Ludendorf, die deutsche Armee verlassen habe und nach Holland geflüchtet sei. Die Armeeführung hätten mit den Heerführern der Engländer, Franzosen und Amerikaner einen sofortigen Waffenstillstand vereinbart.

Unser Regiment lag nördlich von Verdun und so erhielten wir nach einigen Tagen den Befehl, uns durch Luxembourg nach Bitburg zurückzuziehen. Dort wurden Saarländer und weitere deutsche Truppenangehörige, soweit sie links vom Rhein beheimatet waren, demobilsiert und nach Hause entlassen. Unsere Heimat wurde wieder, wie schon so oft in der Geschichte von den Franzosen besetzt, und die Saargruben wurden den Besatzern übereignet.

Am 11. November wurde, nachdem der Kaiser abgesetzt war, in Berlin die Republik ausgerufen. Sie gab sich in Weimar eine neue Verfassung und bestimmte, dass das deutsche Volk fürderhin ihr Oberhaupt in einer allgemeinen und freien Volksabstimmung alle fünf Jahre selbst bestimmen sollte. Wählbar war jeder deutsche Staatsbürger, der das 35. Lebensjahr vollendet hatte und im Besitz seiner bürgerlichen Ehrenrechte war. Wahlberechtigt war jeder, der das 21. Lebensjahr vollendet hatte und nicht durch ein Gericht als Bürger zweiter Klasse aufgrund von Vergehen oder Verbrechen erkannt worden war. Der erste deutschen Reichskanzler, der direkt vom Volke gewählt wurde, war der Sozialdemokrat, dem schliesslich der General Paul von Hindenburg folgte.

Das saarländische Volk fand sich, wie immer mit den Gegebenheiten ab und ist wohl auch nicht schlecht damit gefahren, bis 1933 ein ehemaliger deutscher Gefreiter aus dem Böhmerwald die politische Macht in Deutschand an sich riss und Deutschland erneut in einen Krieg stürzte, der sich über ganz Europa ausbreitete und das Zehnfache der Opfer forderte, die der erste bereits gekostet hatte, nämlich 50 Millionen, darunter auch fast die gesamte jüdische Bevölkerung. Sie musste in Konzentrationslagern und Gaskammern ihr Leben lassen, weil eine Meute von Sadisten dies in ihrem Blutrausch forderte.

Die apokalyptischen Reiter in der Offenbarung des heiligen Johannes schienen in Deutschland zu thronen und es gab für die alliierten Truppen gar keine andere Möglichkeit, als die deutsche Armee rücksichtslos zu zerschlagen. Die braunen Banditen, die sich Nationalsozialisten nannten, hinterliessen ein Trümmerfeld und entzogen sich durch Freitod mit Zyankali oder einer Revolverkugel, soweit sie der irdischen Gerechtigkeit entfliehen konnten.

Am 8. Mai 1945 schliesslich musste der Rest dieser Armee kapitulieren, und der Spuk eines "1000-jährigen Reiches", das doch nur zwölf Jahre dauern sollte, war plötzlich verflogen. Was zurückblieb, war eine vernichtete deutsche Industrie, zerbombte Städte und Dörfer und eine dem Hungertode ausgelieferte Bevölkerung. Jetzt erst zeigte sich, was deutscher Arbeitswille zu leisten vermag, denn innerhalb von 10 bis 15 Jahren schuf unser Volk einen Staat und eine Industrie, die heute zu den reichsten Nationen der Welt gehört und von dieser Welt auch anerkannt und geachtet wird.

Doch zunächst begann für die überlebenden des blutigsten Dramas deutscher Geschichte wieder ein neuer Zeitabschnitt. Deutschland wurde von den Siegermächten Russland, England, Frankreich und Amerika in vier Besatzungszonen unterteilt. Aus den drei Westzonen wurde, nachdem sich die Deutschen wieder selbst regieren durften, die Bunrepublik gebildet.

Die östliche Besatzungszone wurde auf Befehl der russischen Regierung in die sogenannte D.D.R. (Deutsche Demokratische Republik) umgewandelt. Dieser Zustand ist heute, 25 Jahre nach dem Ende des Krieges, unverändert. Die Bundesregierung ist mit ihrer gesamten militärischen und politischen Macht nach dem Westen und die DDR ist von der Kraft der Sowjetunion abhängig. Beide deutsche Staaten unterhalten auch schlagkräftige Armeen, und eines Tages wird es dann wohl wieder so weit sein, dass Deutsche auf Deutsche schiessen werden.

und das kapitel über die gewerkschaftsbewegung, der er ja als katholischer gewerkschafter verbunden war und die der grund für seine mitgliedschaft bei der "vitus heller bewegung" waren.

Rechtsschutzverein und Gewerkschaften

Als nach dem Bergarbeiterstreik im Jahr 1889 sich die Arbeitszeit allmählich normalisierte und auf achteinhalb Stunden festgesetzt worden war, und die Umgangsformen zwischen den königlich preussischen Grubenbeamten und den Bergleuten etwas erträglicher geworden waren, gründete man auf dem Bildstock den Rechtsschutzverein, die erste gewerkschaftliche Berufsorganisation an der Saar.

Als 1. Vorsitzender wurde der Bergmann Johan Warken gewählt, der unverzüglich mit dem Bau eines Gewerkschaftshauses auf dem Bildstock begann, wozu jedes Mitglied eine bestimmte Anzahl roter Ziegelsteine stiftete und zur Baustelle schaffte. Man bedenke den Gemeinschaftsinn, von dem die Bergleute dmals durchdrungen gewesen sein müssen, aus dem ganzen Saarland Bausteine nach Bildstock zu bringen und das erste Gewerkschaftshaus in Gemeinschaftsarbeit zu errichten.

Johann Warken war denn auch der erste Gewerkschaftssekretär, der die Interessen seiner Kameraden vertrat. Später wurde aus diesem Rechtsschutzverein die freien Gewerkschaften und im Jahre 1904 ging man dann auch zur Gründung einer Christlichen Gewerkschaft über, da die freien Gewerkschaften "im Ruch standen", Anhänger der Sozialdemokratie zu sein. Heute mutet so etwas lächerlich an, denn die Idee der Gewerkschaften hat sich für alle als etwas Selbstverständliches eingestellt.

Mit der Gründung des Rechtschutzverein begann erst der eigentliche Kampf um dessen Anerkennung. Eine Anzahl Bergleute, von denen man wusste, dass sie Mitglieder der Gewerkschaften waren, wurden rücksichtslos entlassen und waren auf die mehr als nur materielle Hilfe ihrer Kameraden angewiesen, bis sie von den Gemeinden nach und nach im Strassenbau oder bei Bauunternehmern unterbringen konnten. Eine Arbeitslosenunterstützung gab es damals nicht.

Aber auch die bittersten Jahre nahmen ihr Ende und langsam aber unaufhaltsam erkämpften sich die Gewerkschaften ihre Anerkennung, aber die bitteren Jahre der Unterdrückung konnten sie zeilebens nicht vergessen. So erzählten die älten gelegentlich allerhand Geschichten vom Kampf um ihre Gleichberechtigung auf ihrer Arbeitsstelle.

Beim ersten Bergarbeiterstreik im Jahre 1889 wurde eine Kompanie des Infanterieregiments Nr. 70, das in Saarbrücken in Garnison lag, eines frühen Morgens alarmiert und nach der Grube Von der Heydt abkommandiert, um den Streik der Bergleute rücksichtslos niederzuschlagen. Der Hauptmann und Kompanieführer soll auf dem Kasernenhof seinen Soldaten empört zugerufen habe: "Auf nach Von der Heydt! Die niedrigste Klasse der Menschheit hat sich empört.". Man kann sich also nur zu gut vorstellen, in welchem Ansehen der Bergmann damals stand.

Die Grube Von der Heydt wurde damals vom allgewaltigen Bergrat Jahns regiert, der "ungekrönte König des Köllertales" genannt. Rücksichtslos warf er die Bergleute, die sich am Streik beteiligten und gegen die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen im Bergbau aufbegehrten, auf die Strasse, d.h. sie wurden entlassen, und um seine Macht richtig zu demonstrieren, liess er die Grube von Soldaten besetzen. Das Los der Arbeitslosigkeit traf die Unglücklichen schwer, zumal sie sich doch im vollen Recht befanden und nichts weiter taten, als um ein menschenwürdiges Dasein zu kämpfen.
und als dritten ausschnitt, als speziellen bonus für den nachfahren des herrn dern in amerika, der diesen kleinen service vielleicht zu schätzen weiss, weil auch er vielleicht probleme mit der way back machine hat

Landrat Dern

Wilhelm Heinrich Dern, der erste Landrat des Kreises Saarbrücken, wurde am 22. August 1757 in Saarbrücken geboren, besuchte von 1765 bis 1773 das Gymnasium in Weilburg und von 1777 bis 1780 die Universität in Giessen, wo er Rechtswissenschaften studiert hatte. Er wurde 1781 als Accessist beim Oberamt in Saarbrücken beschäftigt und erhielt dort am 30. April des gleichen Jahres als besoldeter Regierungssekretär eine feste Anstellung.

1816 wurde er zum Landrat des Kreises Saarbrücken berufen und übte dieses Jahr 20 Jahre aus. Am 31. Juli 1836 wurde er nach insgesamt 50 Jahren Dienstzeit auf eigenen Wunsch mit einer Jahrespension von 750 Talern in den Ruhestand versetzt. Erst zwölf Jahre nach seiner Pensionierung starb er im Dezember 1848 in seinem Haus in Alt-Saarbrücken, wo er auch geboren wurde, im Alter von 91 Jahren.

Landrat Dern verwaltete ein Amt, von dem man, wenn man seiner Biografie folgt (siehe hierzu die Veröffentlichung durch Kreisverwaltungsrat Neu auf Weisung des Landrats Karl Barth im Dezember 1961 die sich mit den Quellennachweisen auf das Staatsarchiv in Koblenz, des Kreisarchivs beim Landratsamt in Saarbrücken, des geheimen Staatsarchivs in Berlin, der Stadt Völklingen und aus den Veröffentlichungen des Historischen Vereins für die Saargegend stützen), ohne weiteres behaupten kann, dass Landrat Dern eine Amtsbürde zu tragen hatte, mit der nach ihm bis heute kein anderer deutscher Landrat mehr belastet war.

Man stelle sich vor: der damalige Kreis Saarbrücken bestand aus neun Bürgermeistereien, die er alle zu Fuss oder mit dem Reitpferd besuchen musste, denn so etwas wie ein Telefon gab es damals noch nicht. Auch noch keine täglichen Rapporte der Gemeinden, die von einem Amtsboten gebracht wurden, ganz zu schweigen von berittenen Meldegängern, die ja schliesslich irgendjemand zu bezahlen hatte.

Wenn der Landrat also etwas von seinen Gemeinden wollte, so blieb ihm keine andere Wahl, als sich selbst an Ort und Stelle zu begeben. Es wäre damals keinem Amtsbürgermeister oder Ortsvorsteher eingefallen, sich bei Amtsgelegenheiten nach Saarbrücken zu begeben.

Der Landrat wurde ja bezahlt und in seinen monatlichen Bezügen steckten 100 Taler für die Fahrt- und Reisekosten. Er war königlichpreussischer Staatsbeamter, wurde also von seiner Regierung bezahlt und musste selbst sehen, wie er vor Ort zurechtkam.

Wie bereits kurz geschildert, wurde am 30. Mai 1814 der erste Pariser Friedensvertrag abgeschlossen. Nach diesem verblieben im Saardepartement bei Frankreich die Kantone Saarbrücken, St. Arnual und ein Teil des Kantons Lebach, darunter auch unsere Heimat, das Köllertal, durch das sich die Grenzlinie zog. Die Mairie Saarbrücken umschloss neben St. Arnual auch Kleinblittersdorf, Bischmisheim, Dudweiler, Völklingen und Ludweiler.

Püttlingen mit Luisenthal gehörte damals noch zum Moseldepartement. Zwar wurde der Bezirk Püttlingen, der ja früher noch zur Herrschaft Kriechingen in Lothringen zählte, im Jahre 1766 durch einen Tauschvertrag zwischen Frankreich und der Grafschaft Saarbrücken der Grafschaft zugeschlagen, doch die Püttlinger Bürger hatten sich 1793 für das weitere Verbleiben im französischen Staatsverband entschieden. Eine Wende brachte erst der Abschluss des zweiten Pariser Friedens, dessen Bestimmungen am 20. November 1815 veröffentlicht wurden und der die Wiedervereinigung der Saarbrücker Lande brachte und unsere Ahnen zu Preussen machte. Die Hohenzollern, die ja den preussischen Königsthron inne hatten, verstanden es dabei, meisterhaft ihre Ellenbogen zu nutzen.

Die Schwierigkeiten, den sich unser Landrat Dern beim Aufbau des Kreises Saarbrücken gegenübergestellt sah, waren sehr gross und nur mit äusserster Energie ist es ihm gelungen, diese Aufgabe doch noch zu meistern. Der Kreis Saarbrücken stand damals am Beginn seiner Industrialisierung und nun drohte infolge der politischen Ausrichtung nach Berlin die bisher nach Paris hin orientierte Wirtschaft zusammenzubrechen. Ausserdem wurde ihm von Seiten der Bevölkerung und besonders seitens der Beamtenschaft ein nicht geringes Misstrauen entgegengebracht, obwohl diese doch schon sowohl in der Zeit des letzten Saarbrücker Grafen als auch unter der Regie der darauf folgenden französischen Verwaltung mit ihm zusammengearbeitet hatte. Aber gerade diese Beamtenschaft stachelte nun die Bürger insgeheim gegen die Anordnungen des Landrates auf, die ja letztendlich aus Trier oder aus Berlin kamen und die der arme Landrat als ausführendes Organ zu übernehmen hatte.

Man muss schon die bereits erwähnte Fleissarbeit des Kreisverwaltungsrates Neu schon zweimal lesen, um die Schwierigkeiten zu begreifen, die sich damals dem Landrat unseres Kreises entgegenstellten.

Man muss aber auch die Bevölkerung verstehen, die endlich die Tyrannei der Saarbrücker Burggrafen losgeworden war, und in einem grossen Staatsverband, Frankreich nämlich, einen bescheidenen Wohlstand erworben hatten, wie Prof. Albert Ruppersberg oder Prof. Noack in seiner tiefgründigen Doktorarbeit berichten.

Letzterer schreibt z.B. über die französische Besatzungszeit, sie habe im Grossen und Ganzen eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung bedeutet, denn sie habe viele mittelalterliche Fesseln gelöst und das Saarland in das grosse französische Wirtschaftsgebiet eingegliedert.

Die Neugestaltung der staatlichen Verhältnisse im Jahre 1815 führten dagegen in eine grosse Bedrängnis. Frankreich schloss sich durch hohe Zölle gegen die Saar ab. Die Errichtung der deutschen Zolllinie im Jahre 1818 hemmte schliesslich die Wirtschaftsbeziehungen zur Pfalz, die sich damals in bayrischem Besitz befand. Die Industrie musste sich umstellen und war gezwungen, neue Absatzmärkte zu suchen.

Der Historiker August Krohn berichtet über die Verhältnisse hierzulande nach dem ersten und dem zweiten Pariser Frieden, der Aussenhandel habe zum grossen Teil lahm gelegen und die Industrie sei in ihren Grundfesten erschüttert gewesen. Die Dillinger Hütte produzierte mit ihren 300 Arbeitern hauptsächlich Kupferplatten für die französische Marine, die Werke Goffontaine, Scheid und Jägersfreude fabrizierten Stahlwaren, die ebenfalls ausschliesslich nach Frankreich verkauft worden waren. Vor dem Friedensschluss von 1815 bereits erklärte der Besitzer dieser Werke Couvy seinem Freund, dem Rechtsanwalt Berger bei der Abreise nach Paris: "Ich werde ein toter Mann sein, wenn unsere Heimat fällt.". Als dies dann schliesslich eintrat, machte er sein Testament und erschoss sich. Wenn nicht die Preussen die saarländischen Gruben in ihren Besitz genommen hätten, wäre auch dieser Industriezweig infolge Absatzmangel zugrunde gegangen.

Die wirtschaftliche Krise wirkte sich verheerend auf die neuerrichtete Kreisverwaltung aus. Die Streitigkeiten begannen in Gersweiler, der dem Landratsamt nächtsgelegenen Bürgermeistereiverband: Der bisherige Maire (Bürgermeister) Herb, weigerte sich, die Bürgermeistereipapiere an den neuernannten Nachfolger herauszugeben und erst durch das energische Eingreifen des Landrates konnte Maire Herb dazu gezwungen werden. Die Gersweiler gaben in der Folge jedoch keine Ruhe und so sah sich Landrat Dern schliesslich gezwungen, die Zusammenlegung der beiden Bürgermeistereien Ludweiler und Gersweiler zu beantragen, um der Lage Herr zu werden.

Diesem Antrag wurde stattgegeben und so übernahm Bürgermeister Schmoll von Ludweiler beide Bürgermeistereien ab dem 1. Juli 1826 gemeinsam, jedoch nur in Personalunion. Eine materielle Vereinigung fand nicht statt, beide Orte führten auch weiterhin ihre Verwaltung getrennt voneinander. Doch wer gaubte, nun sei endlich Ruhe eingekehrt, der sah sich erneut getäuscht. Jetzt wurde die Amtsenthebung aller Schöffen aus den Dörfern verlangt, die zu den ämtern Gersweiler und Ludweiler gehörten, dazu wurde auch die Entlassung der beiden Ortsvorsteher gefordert.

1824 begann es dann auch in den Warndtgemeinden zu gären. Unzufriedene Bürger von Grossrosseln beklagten sich über ihren Ortsvorsteher, dem vorgeworfen wurde, parteiisch zu handeln und die Deserteure aus der Armee und die widerspenstischen Landwehrmänner, sowie die Feld- und Waldfrevler in Schutz zu nehmen, wenn die Brigadegendarmen diese verhaften wollten. Weiter hiess es, dass der Bürgermeister auf eigene Faust eine eigene Neben- und Schmuggelkasse angelegt habe. Landrat Dern muss te den Bürgermeister von Grossrosseln zur Rechenschaft ziehen und entlassen, weil derartigen Einrichtungen, obwohl sie angeblich nur im Interesse der eigenen Gemeinden angelegt wurden, verboten waren.

In dem auch hart an der lothringischen Grenze gelegenen Lauterbach warf man dem Ortsvorsteher vor, er lege ein ordnungswidriges Verhalten an den Tag und man müsse deshalb seine Entlassung verlangen. 1831 warf man in Emmersweiler dem Schöffen vor, er sei nicht neutral und kenne nur sein persönliches und das Wohl seiner Verwandten. Auch sei er ein gefährlicher und feindseeliger Mann, der lügenhafte Berichte nach Saarbrücken zum Landrat und nach Ludweiler zum Bürgermeister weiterleitete.

Die Kleinblittersdorfer forderten 1816 einen neuen Bürgermeister, weil der jetzige zu alt sei und keinerlei Auskünfte über seine beträchtlichen Einkünfte gebe, wobei besonders vermerkt wurde, dass der Bürgermeister die Gelder, die die frnzösische Regierung für Lieferungen und Fuhren in der vorpreussischen Zeit an ihn leitete, die er jedoch nicht weitergegeben habe oder auszahle. Ferner, dass er Gelder, die anlässlich eines Grossbrandes im Dorf 1812 innerhalb des Saardepartements gesammelt worden waren, bis zur Stunde (also 1816) noch nicht herausgegeben habe, obwohl er doch nun schon seit vier Jahren in deren Besitz sei. über die Gemeinderäte beschwerte man sich, weil diese sich aus Personen zusammensetzten, die dem verderbten System des Bürgermeisters anhingen. Kurzum, der Bürgermeister sei dieses Amtes unwürdig. Auch mit dem Pfarrer war es zu Differenzen seitens der Bevölkerung gekommen.

Angesichts dieser schweren Beschuldigungen blieb dem Landrat Dern nichts anderes übrig, als den Friedensrichter Lang beim Kreisgericht in Saarbrücken mit der Untersuchung des Falles beauftragen. Die Verhöre wurden an Ort und Stelle durchgeführt, und selbst Schulkinder wurden ihnen unterzogen. Die Untersuchungen zogen sich monatelang hin und endeten schliesslich wie das Hornberger Schiessen: Heraus kam nichts! Landrat Dern jedoch glaubte, den übelstand nur dadurch beheben zu können, indem er beantragte, die Angestellten der Bürgermeisterei und die Schöffen entliess und für die Versetzung des Ortspfarrers zu sorgen.

Aufgrund dieses Antrages an die Regierung wurden bereits am 28. September 1816 dort ein neuer Bürgermeister eingeführt, ein Beigeordnter, drei Schöffen für Kleinblittersdorf, zwei für Auersmacher und je einen für Rilchingen und Hanweiler in der landrätlichen Kanzlei unter Eid verpflichtet.

Dieselben ungesunden Zustände herrschten in den Dörfern des Amtes Bischmisheim. Im Juli 1816 hatte gegen den in Fechingen wohnenden Beigeordneten ein richtiges Kesseltreiben eingesetzt. Auf jede nur erdenkliche Weise wurde gegen ihm intrigiert. Schliesslich musste der Landrat einem Bischmisheimer Bürger mit der Vorführung durch die Gendarmen drohen, falls er die Dienstpapiere und die Amtsgelder nicht herausgebe. In Rentrich stellte man eine recht widerspenstige Einstellung gegen jede neue Anordnung fest. In Scheidt war man gezwungen, die beiden Ortsschöffen zum nächsten markttag in die landrätliche Kanzlei zu bestellen, weil sie einfach nicht harmonisch miteinander arbeiten konnten.

In Püttlingen, das seit 1816 zur Bürgermeisterei Völklingen gehörte, wurde von der Bevölkerung, ja sogar vom Landratsamt selbst ständig falsche Beschudigungen gegen den Völklinger Bürgermeister vorgebracht und dieser mit immer neuen Quertreibereien belästigt.

Als Völklingen 1821 einen neuen Bürgermeister bekam, lautete die erste Anordnung des Landrats an ihn: "Wegen der in der Gemeinde Püttlingen herrschenden Unordnung empfehle ich Ihnen diese Bürger ganz besonders." Dort schien es Sitte zu sein, dass jeder neu zuziehende Bürger seinen Einstand zahlen musste, der vielfach in einem Saufgelage endete, und die Ortsschöffen scheinen die Zutreiber gewesen zu sein, denn nicht umsonst forderte der Landrat die Entlassung gerade dieser Sch&o uml;ffen.

Er nannte das Dorf eine unruhige, zänkische Gemeinde und bat den Bürgermeister, sich mit dem Herrn Pastor in Verbindung zu setzen, damit er ihm bei der Auswahl der Schöffen behilflich sei.

"Suchen Sie besonders ruhige und brave Leute für das Amt des Schöffen aus, die zwar in Püttlingen sehr rar sind, aber mit viel Geduld muss dies doch möglich sein."

Auch in Völklingen selbst scheint auch vieles nicht in Ordnung gewesen zu sein, denn als dort 1821 dem Bürgermeister Kunkel das Amt übertragen wurde, weigerte sich dessen Vorgänger Röchling, der den Fenner Hof bewirtschaftete, die Amtspapiere auzuhändigen, was dieser auch erst tat, nachdem Landrat Dern energisch durchgriff.

Auf dem Kurhof, einer kleinen Siedlung mit vier Bauernhöfen, passierte Folgendes: Die für dieses Dörfchen zuständige Pfarrgemeinde war Schwarzenholz. 1820 hatte diese Pfarrgemeinde vom Pastor ein ansehnliches Haus zum Geschenk erhalten, was er jedoch mit der Auflage verband, daraus eine Kirche zu erbauen. Als nun die Bauarbeiten soweit gediehen waren, dass die Baukosten nun von den beiden Dörfern Kurhof und Schwarzenholz bezahlt werden mussten entfiel auf letzteres der Betrag von 5.273 französische Franken, auf Kurhof 1.177 Francs.

Die Kurhofer Bauern weigerten sich jedoch entschieden, ihren Anteil zu begleichen, und so veranlasste Landrat Dern den zuständigen Bürgermeister Wahlster, der auf Gut Bitscheid bei Heusweiler residierte, die vier Familienvorstände von Kurhof zusammenzurufen und den Schuldbetrag aufteilen zu lassen. Die Kurhofer beschworen heilige Eide, es sei ihnen unmöglich, den geforderten Betrag aufzubringen.

Zwischen dem Landrat von Saarlouis, wozu die Gemeinde Schwarzenholz gehörte, und dem Landrat Dern von Saarbrücken, der für Kurhof zuständig war, einigte man sich schliesslich darauf, den Schudbetrag auf 500 bis 600 Franken herabzusetzen. Aber auch dies lehnten die vier armen Bauern von Kurhof ab und wandten sich, als ihr Begehren überall auf Ablehnung stiess, an die letzte Beschwerdeinstanz nach Berlin. Aber auch dort wurden sie schliesslich abgewiesen und dazu verurteilt, die gesamte Summe von 1.177 Francs und alle Unkosten und aufgelaufenen Zinsen zu zahlen, wobei ihnen noch schriftlich nachgewiesen wurde, dass die vier Kurhofer Bauerngüter zu den best fundierten des Kreises gehörten. Bleibt zu erwähnen, dass die Kurhofer plötzlich über genug Geld verfügten, um die gesamte Schuld auf einmal zu begleichen.

Tausenderlei Aufgaben gehörten in den Arbeitsbereich des Landrates, so veranlasste er, dem Obstbau besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Aus dieser Zeit datiert zum Beispiel auch die Bepflanzung der Strassenränder der Landstrassen mit Obstbäumen. Ebenso wie die Bestellung von Ehrenfeldhütern in den Gemeinden, da Felddiebstähle überhand nahmen. Gleiches gilt auch für die Bekämpfung von Bränden. Für die Gemeinden mussten Feuerlöschgeräte beschafft und Leute ausgebildet werden, die diese Geräte auch bedienen konnten.

Besonderen Augenmerk liess Dern der Pferdezucht angedeihen. Seine Bemühungen lassen sich leicht daraus erklären, dass das Militär immer ein grosses Interesse an gutem Pferde-"Material" hatte, für Manöver Pferde lieh und gutes Zuchtmaterial aufkaufte.

Um sich über den Stand der Pferdezucht genau unterrichtet zu sein, wurde im Dezember 1918 eine Pferdemusterung durchgeführt. Das Ergebnis dieser Musterung sollte Dern vom Kreistierarzt vorgelegt werden, aber hier erlebte er ein vollständige Pleite. Von den Pferdehaltern war nicht einmal ein Drittel erschienen. In der Begründung dieses mageren Ergebnisses teilt der Kreistierarzt Kautz mit, in den Bezirken Heusweiler und Sellerbach, wo damals die meisten Pferde gezüchtet wurden, seien die Pferdehalter allesamt nicht erschienen, weil sie fürchteten, ihre Stuten würden gekennzeichnet, um sie ihnen später wegzunehmen für militärische Zwecke oder dass sie wieder einmal irgend eine neue Abgabe für die deckfähigen Stuten entrichten müssten.

Sehr grosse Schwierigkeiten traten auch bei der Rekrutierung von Soldaten auf, denn die preussische Armee brauchte ja ständig neue Truppen zur Auffüllung ihrer "Bestände", und so griff man, wie nicht anders zu erwarten, zuerst die Landwehrmänner auf, die bereits bei den Franzosen gedient hatten. Dies brachte erneut böses Blut unter die Bevölkerung, die ohnehin nicht sehr gut auf die Preussen und deren Rechtssprechung zu sprechen war. Sie hatten schliesslich die Freiheiten der französischen Revolution erfahren, die dem Herrenmenschentum der Grafen ein Ende gemacht, und die Leibeigenschaft mit all ihren menschunwürdigen Erscheinungen beendet.

Die gesuchten Landwehrmänner jedoch wussten sich mit der Zeit gut dem Zugriff der Preussen zu entziehen, indem sie heute hier, morgen dort, immer auf dem Sprung bei Bauern verdingten. Da die Einwohnerkontrolle nicht so durchgeführt werden konnte, wie das eigentlich Vorschrift gewesen wäre, konnte man ihrer auch nicht so leicht habhaft werden. Besonders hier im Köllertal wollte es mit der Einführung einer neuen, strafferen Ordnung nicht so recht klappen, zumal sie ja Nachbarn des verrufenen Püttlingen lebten, das lange Zeit als ein zänkisches Dorf in einem sehr schlechten Ruf stand.

Landrat Dorn, der für die preussischen Belange im Saarbrücker Land unvergleichliche Dienste geleistet hatte, Konnte sich 1836 endlich im Alter von 79 Jahren zur Ruhe setzen. Er hatte dem preussischen Staat über 55 Jahre treu gedient und starb erst im hohen Alter von 92 Jahren.

Im Zuge der Neuorganisation des Kreises Saarbrücken wurde Anfang Februar 1816 die Bürgermeisterei Sellerbach neu gebildet. Zur Fürstenzeit war der Sitz der Verwaltung des Köllertales das Dorf Kölln, beziehungsweise die Burg Bucherbach. Die Meier des Köllertals enstammten immer den nachgenannten Dörfern des Köllertales: Sellerbach, Engelfangen, Kölln, Rittenhofen, Güchenbach, Etzenhofen, Quierschied, Walpershofen mit den Höfen überhofen und Neuhaus, Herchenbach. Damals gehörten zudem die Dörfer Bous, Knausholz, Schwalbach, Derlen und Sprengen noch zum Verwaltungsbezirk des Köllertals, die jedoch später in den Kreis Saarlouis übergingen.

Verwaltungsmässig gehörte also ab 1816 das Köllertal zum preussischen Königreich unter König Friedrich Wilhelm III. Preussischer Staatskanzler war damals Fürst Hardenberg in Berlin, Oberpräsident der Rheinprovinzen der Regierungspräsident von Aachen von Reimann, der provisorisch mit der Gesamtverwaltung der Rheinländer beauftragt war. Sitz dieser Verwaltung war zunächst Koblenz, später wurde er nach Düsseldorf verlegt.
ich schlage mich heute nicht mehr mit der fehlerkorrektur herum, dafür ist es jetzt zu spät.

aber das hier, das war mir ein bedürfnis und so viele zufälle auf einen haufen, sorry, ich musste es jetzt tun, bevor ich es wieder aus den augen verliere.

ich hoffe, lieber sylvester, das war jetzt in deinem sinn, wo immer du dich auch gerade herumtreibst und sei es als geist neben meinem bett, der flüstert: "vergiss mein nicht".

nein, ich habe dich nicht vergessen ...



[ nachtrag 1 ]

wie gesagt, das vorwort stammt von 1989 aus einem zeitraum, in dem noch keiner ahnte, daß es ein paar monate später ein loch in der mauer geben könnte. es gab einen sowjetischen generalsekretär, der einem hoffnungen machte, aber auch immer noch raketen auf beiden seiten der mauer, die innerhalb von 7 minuten das "gegnerische" terrain erreichten, also denen die in einem bunker saßen und die knöpfchen drücken mussten, genau 3 1/2 minuten zeit liessen, eine entscheidung zu treffen.

und es gab, irgendwo "auf der anderen seite" in einem bunker einen mann, der sich nicht ins bockshorn jagen ließ, als die lichter plötzlich aufblinkten ... sein name gehört ins geschichtsbuch. wenn er nicht so "cool" gewesen wäre, erst mal den reset-knopf zu drücken, ihn dann noch einmal zu drücken und beim dritten mal darauf zu bestehen, daß es sich nur um einen irrtum handeln könnte ... dann hätte ich den text von sylvester nicht in meinen Sharp MZ 700 mit CP/M als betriebssystem und einer floppy als datenträger hacken können.

dann wäre es zeit für einen kleinen ausflug auf den höchsten punkt der gegend gewesen, um kurz die show zu geniessen und dann nicht mehr lange unter der aftershow-party im bunker leiden zu müssen.

der name des mannes ist übrigens stanislaw jewgrafowitsch petrow.

[ nachtrag 2 ]

mein mir anver/ge-trautes weib (mmaw) hat sich die mühe gemacht, die ich mit meiner AHDS einfach nicht drauf habe, und eine familienfama zerstört - sylvester war nicht im landtag. da hat der kleine hinterwald in seiner jugend entweder was falsch verstanden oder sein gedächtnis - normalerweise ein zuverlässiges organ trotz jahrelanger einwirkung von THC-molekülen - gauckelt ihm was vor.

das tun gedächtnisse gern, wir schreiben ja tag für tag unsere geschichte(n) um.

aber, sie hat das offensichtlich einzige buch über die "vitus heller bewegung" aufgetrieben, das die tage hier eintrudeln wird. this must be love ...

ich habe, ich bin ja vergnügungssüchtig, lieber in die zweite platte der "food band" investiert ;-)

[ nachtrag 3 ]

nervensägen werden einwenden, er habe sich mit "I" geschrieben, also "silvester" statt "sylvester".

des rätsels lösung ist eine "bindung". sylvester, hardy, myriel ... alles klar?

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