Donnerstag, 28. November 2013

hier? jetzt?

claudia hat drüben einen interessante diskussion angestoßen, aber ich will ihr nicht mit ausschweifenden überlegungen den kommentarbereich zuposten, also ziehe ich mich mal gerade in die heimische garage zurück und fülle die lücken, die mein letzter kommentar dort (für mich jedenfalls) hinterläßt, mit ein paar antworten auf nicht gestellte fragen auf.

neben dem hier als blogmotiv notorischen zitat von ödön von horvath aus dessen famosen theaterstück "geschichten aus dem wienerwald" ("nichts gibt so sehr das gefühl von unendlichkeit als wie die dummheit") gibt es einen zweiten satz aus dem stück, der sich bei mir festgesetzt hat, und den ich jetzt mal im zusammenhang des dort diskutierten "ganz entspannt im hier und jetzt" auf's feld werfe:

"Das sind doch nur Kalendersprüch!"

ein kluger mann, eine kluge frau hat zu einem bestimmten punkt in zeit und raum eine erkenntnis, die er oder sie in einem satz zusammenfassen kann ... und dann gerinnt so ein satz zu einem monument, einem glaubenbekenntnis - oder eben zu einem "kalenderspruch".

wir reissen das datum aus dem kalender, drehen das blatt um, da steht "ganz entspannt im hier und jetzt".

wir nicken: wie wahr.

und wie falsch.

claudia hat es ja schon selbst klug bemerkt, "dass es da nie um ein 'richtig' gehen kann" und so sehr ich es scheue, in die exegese von zen-weisheiten einzusteigen, weil man die ja bitteschön möglichst selbst verstehen lernen sollte, muss ich mich hier mal über diesen satz ausbreiten, weil er so verführerisch einfach ist und natürlich jeder ihn mit dem sinn anfüllen oder ihn als gebrauchsanweisung ge- und mißbrauchen kann, wie ihm das passt.

mein lieblingsbeispiel für nur halb verstandene sätze stammt von aleister crowley.

"tue, was du willst, sei das einzige gesetz"

was für jemanden, der schon immer mal tun möchte, wonach ihm der sinn steht, eine prima gebrauchsanweisung ist, mal richtig die "sau rauszulassen". weil er, was ich gerade durch ein geschicktes verwenden des wortes "möchte" vermieden habe, das wichtigste wort im satz dezent übersieht oder es mit einem anderen sinn füllt, als vielleicht (ich bin kein crowley-adept, aber ich verstehe das halt so) gedacht: das wort "wille".

bevor ich tun kann, was ich _will_, muss ich mir erst einmal bewusstsein darüber verschaffen, was eigentlich mein wille ist. sicher nicht der erste impuls. wenn das der fall wäre, würden wir morgen wieder in einem bunker sitzen müssen, weil da draussen die nackte gewalt, die herrschaft des stärkeren sich austobten.

bis ich herausgefunden habe, was ich "eigentlich" will, ist mir die lust, mich ungeniert auszutoben, längst vergangen.

ähnlich geht es mir mit "ganz entspannt im hier und jetzt".

weil, wenn wir uns mal kurz angucken, wie die welt "da draussen" funktioniert, leben wir in einem paradies des "hier und jetzt". "geschichte" ist für unsere medial in ein hamsterrad getriebene gesellschaft das "eben".

das "gestern" ist schon zu so etwas wie "vor langer langer zeit, von der keiner mehr weiss, was war", mutiert. ich fand es jedenfalls erhellend, als ich vor ein paar monaten nachrichten von kassetten "rippte", in denen noch bill clinton präsident der USA war und sich haushaltstechnisch in haargenau der selben bredouille befand, mit der sich obama konfrontiert sieht: die obstruktion der republikaner bis hin zum nur knapp vermiedenen staatsbankrot. ist ein schlappes dutzend jahre her. erinnert sich kein schwein mehr dran ;-)

"ganz entspannt im hier und jetzt"

wie vieles, was es uns in den 70ern erlaubte, mit der welt unserer eltern und großeltern zu brechen und eine gesellschaft zu basteln, die uns erstrebenswerter erschien, gehört neben "wer zweimal mit der selben pennt, gehört schon zum establishment" und "traue niemand über vierzig" etwa dieses "ganz entspannt im hier und jetzt" zu den relikten dieser sich im umbruch befindlichen zeit, die wir mit zunehmendem alter und der erreichung eines großen teils der damals von uns gesteckten ziele, noch mal im angesicht der gegenwart und der gemachten erfahrungen einer neubewertung unterziehen müssen.

ich bin, das habe ich hier schon ein paar mal durchsickern lassen, buddhist, konkret zen-buddhist, neige zu esoterischen ideen (die ich aber bitte nicht mit dem verwechselt sehen möchte, was heute als marktplatz des selben namens betrieben wird), fand schon immer, daß baghwan ein verdammt lustiger geselle war, über dessen scherze man sehr viel lachen konnte ... vor allem aber auch sehr viel lernen.

mein g*tt, was haben wir diesen satz geliebt. scheiss auf die angst vor der zukunft (die sich für uns aus der damaligen perspektive ja eh nur in megatonnenenschweren atompilzen auflösen würde), scheiss auf das grübeln über die vergangenheit (und ihre leichenberge, die die alten hinterlassen hatten).

seien wir einfach nur in diesem moment, geniessen wir die zeit, die uns noch bleibt, bis irgendein vollidiot den falschen knopf drückt.

der satz hatte so etwas befreiendes.

vor allem aber erlaubte er es uns, die dinge unbekümmert und mit größtem selbstvertrauen anzugehen. wir konnten uns angesichts der bevorstehenden nuklearen vernichtung zb. ungeniert das recht herausnehmen, einen lsd-trip einzuwerfen und auf der wiese den grashalmen, ganz entspannt im hier und jetzt versunken, bei wachsen zugucken und uns über den sinn des universums klar werden.

dummerweise wurde die welt dann ja leider doch nicht vernichtet. zu blöd.

statt dessen bekamen wir oder doch manche von uns kinder.

wir mussten aufstehen, arbeiten gehen, geld verdienen, steuern bezahlen, halt dieser ganze lästige kram, der einem nicht erspart wird, wenn so eine welt sich nicht in ein aschewölkchen verwandelt.

verdammt!

und nun sind wir hier. im jetzt.

was soll ich dir viel über dieses jetzt erzählen, was du nicht auch schon längst weisst? nichts ...  aber ich mache es pro forma und für den, dem es nicht auffällt, doch.

wir leben in einer zeit, die keine geschichte kennt.

klar, geschichte haben wir bis zum abwinken. nur können wir uns nicht recht erinnern, was da so alles war, und was wir daraus lernen sollten, also haben wir uns darauf kapriziert, ein paar termine herauszupicken, über die wir uns freuen oder schämen oder je nach dem, ich sag nur "9. november". für mich der tag, an dem ein progrom stattfand. na gut, auch zwei revolutionen, aber ich kann nicht behaupten, daß auch nur eine davon mich irgendwie frohgemut stimmen würde. von der ersten wissen wir ja, wie's lief.

wir leben auf jeden fall in einem paradies des "ganz entspannt im hier und jetzt".

alles in diesem land lebt von diesem gedanken. wenn ich es wage, daran zu erinnern, daß gestern noch der oder die, dies oder jenes gesagt oder versprochen hat, dann komme ich mir wie ein spaßverderber vor. frag mal den münte oder die kanzleröse, was die von dem halten, was gestern noch ihr versprechen war.

eben.

also bin ich ein klitzekleines bißchen auch in sachen "ganz entspannt im hier und jetzt" ein spaßverderber.

das nur als erweiterung meines "ich bin das archiv" gedanken drüben bei claudia.

ich bin ein archiv

klar, da du nicht weisst, wie "schlimm" das in wirklichkeit ist, kannst du diesen satz gerne missverstehen und denken, ich sei das archiv meiner selbst. nope, das auch, aber ich horte keine photos oder andenken meiner selbst (na gut, es gibt hier ein tagebuch aus den 70ern, da klebt ein ungekauter  kaugummi drin und so'n zeug).

nein, ich sammele. hörspiele. features. nachrichten. lesungen. comics. musik. livekonzerte. dokus. andere sammeln briefmarken und ich verstehe, warum sie es tun. sind sind ganz bei sich selbst und das sortieren eines jahrgangs kann ein meditativer zustand sein ;-)

"frag mich was und stelle dir ein kompetentes kleines paket zusammen".

so war es gedacht und so praktiziere ich das. es erlaubt mir, die geschichte der frühen jahre "hinterwald" jetzt zu dokumentieren. wenn ich es weg geworfen hätte, um mich zu "befreien" von dem ganzen "ballast", könnte ich es nicht. klar, das entspräche gut der haltung, die sich in "eh garkäner" als alias unseres lieblingszeichners artikluliert, den ich nach 30 jahren dazu bewegen konnte, seine sachen endlich mal zu zeigen.

wegwerfen?

ich hätte das immer für "geschichtsvergessen" gehalten.

nur, wäre ich nicht programmierer geworden, dann würde ich jetzt als historiker durch die welt stampfen. ich habe da einfach ein anderes verständnis der dinge. ich möchte sie geordnet. übersichtlich. ich möchte nach hinten sehen und nicht vergessen, was war. nicht im sinne von "hey, ich habe da noch ein bild von mir von 1975" (habe ich, poste ich mal bei gelegenheit, nur um irgendjemanden zu ärgern oder mich über mich selbst lustig zu machen)

ach was, nimm dies, ich bin der links, rechts, das ist der "niggel", von dem ich höre, er lebe noch und das wort "peracon" habe jetzt komplett seine macht verloren ;-)

sich erinneren heisst auch, die lehren zu verstehen, die einem das leben so erteilt. wenn ich dieses bild sehe oder vor meinem inneren auge ein bild von einem anderen freund aus jener zeit erscheint, registriere ich jedenfalls, daß ich mit dem begriff verantwortung heute anders umgehe als damals.

für das schicksal des zweiten, der nicht mehr lebt, habe ich mich lange zeit verantwortlich gefühlt, bis wiederum ein dritter mich der pflicht enthob und bemerkte "hardy, drogen war das einzige, was den interessierte und das war okay so. deine ganzen versuche, ihm zu demonstrieren, daß man nichts schnüffeln sollte waren nur der versuch, eine verantwortung zu tragen, wo es keine gibt."

würde ich dieses bild wegwerfen, nur um mich von "ballast" zu befreien, würde es mich nicht mehr an geschichten erinnern, die ich mir selbst gerne vor augen halte, um mich zu "verorten". hier stehe ich, ich kann nicht anders.

oder, um die sache mit einem schönen stück musik auf die füße zu stellen, "this is us"! (ein fanvideo, das ausdrückt, was ich versuche zu sagen. ich habe lange gekämpft, weil ich zu gerne emmylou harris zusehe, wie sie singt und mark knopfler zublinzelt und sie eben neben catherine deneuve eine der frauen ist, mit denen ich zu gerne essen gehen würde, blondie wäre auch schön ...)


da es bis unserer inkarnation zur reinen buddah-seele noch ein bißchen hin ist, was ist so unleidlich an diesem "this is us?". das hier ist das internet. hier zeigen menschen dinge, die erheblich "Unleidlicher" sind und ein kurzes durchblättern der zeitschrift "interview" konfrontiert uns mit geradezu schamloser eitelkeit.

wir sind, wie die lustige familie im video, "kleine leute". aber, was macht uns unwichtiger als menschen, die in prada, bulgari oder was weiss ich was baden. der gedanke, wir seien eitel. och nööööö.

offen gestanden, ich halte es eigentlich eher für eitel, nichts von _uns_ zu zeigen, das ist so was von kokett.

dabei schafft manchmal etwas, was man festzuhalten suchte (nicht ich, ich filme auch nicht, das war jochen, der die sache als regelmäßiger besuchr sah und festhielt), es tatsächlich, einen ort in zeit und raum zu bannen und in allen beteiligten vielleicht 20 jahre später das kleine stück glück jäh in erinnerung zu rufen, das man gemeinsam empfand, und das einen immer noch berührt..

na gut, lassen wir einfach mal die hosen runter (im wörtlichen sinne, wie sich zeigen wird) ...

lads & gents: the helfant tapes remastered
[tcha, an dieser stelle hätte ich ja nur zu gerne ein video gepostet, aber google chrome und blogspot.com sind einfach nicht die richtigen werkzeuge, wenn eines der beiden zu lange untätig zu sein scheint, weil man nur über halbe dsl ins netz postet, geben sie einfach den geist auf. im moment versuche ich den umweg über youtube. bis dahin dies als platzhalter]


 

[kleiner nachtrag: eine der hauptdarstellerinnen hat energischsten widerspruch eingelegt, du musst also mit den drei photos leben, aber die dürften reichen, um das, was ich versuchte, zu vermitteln - daß man durchaus an dingen aus der vergangenheit festhalten sollte - 'rüberzubringen]
 also zurück zum thema ...

wenn wir uns nicht erinnern, lernen wir nicht dazu, ganz einfach sache. 

wenn wir nicht etwas "festhalten" haben wir auf keinen halt, wenn wir ihn brauchen.

es ist das eine, einen wohlfeilen satz wie das "ganz entspannt im hier und jetzt" wie eine monstranz mit uns herumzutragen und nicht zu bemerken, daß der satz längst als profanes glaubensbekenntnis einer ganzen gesellschaft zu den dingen gehört, die wir eigentlich schärfstens bekämpfen müssten (wenn uns denn der sinn nach kämpfen wäre): die orientierungslosigkeit in permanenz.. den verlust des "zusammenhangs"

und es ist das andere, sich selbst als eine über das ganze leben geformte person zu begreifen, der man nicht dadurch "entkommt", das man gegenstände entsorgt. man kann überall sein, weit weg von zuhause, frei von allem besitz ... aber man schleppt doch sich selbst mit. das gute, wie das schlechte.

mein g*tt, wir sind sogar monogam (so viel zum "wer zweimal mit der/dem selben pennt ...") und das "traue keinem über 40", ist - wenn man selbst gerade 57 geworden ist - schon ein bißchen putzig, oder?

in diesem sinne: nicht alles ist zen, was darüber meditiert, ob cola trinken jetzt koscher ist ;-)

[..] bonustrack

weil manchmal bin ich viel mehr in diesem gedicht als im hier und jetzt, vergiesse heisse tränen, wenn walther mehring es mir vorliest.

Marseille, Silvester 1940/41
In Memoriam

An meine Kammer, wo ich welk,
Pocht zwölfmal an das Neue Jahr,
Spricht zugig hohl: Es war...es war...
Hängt seinen Jahrkranz ans Gebälk,
Verblüht – von Lügenluft erstickt –
Erschlagen – von der Not geknickt:

Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben...

MÜHSAM: Poet und Promethid,
Erdrosselt wie ein räudiger Hund –
OSSIETZKY, den man so zerschund,
Daß er voltairisch lächelnd schied...
Als man den Friedenspreis ihm bot,
Schloß er grad Frieden mit dem Tod...

Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben...

Es weht ein Blatt – kaum leserlich:
„Die Dummheit, die wir persifliert...
Die macht Geschichte. Die regiert...
Herzlichst TUCHOLSKY ... Ohne mich!...“
In Schweden, krank, doch unbekehrt,
Hat er den Schierlingstrank geleert...

Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben...

ERNST TOLLER, Freund aus Jugendland,
Bestimmt, um Bühnen, Meetings, Zelln
Mit ernster Tollheit zu erhelln,
Löschte sich aus mit eigner Hand...
In Übersee, weitab der Schlacht –
Warum hat er sich umgebracht...!

Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben...

Wo in der Welt wächst nun die Art
Von Stammtisch, nah dem Luxembourg
Rechtspolitik und Linkskultur,
Die JOSEPH ROTH um sich geschart...?
Von dessen Bart Weissagung troff,
Sich weise drum zu Tode soff...

Welch edler Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben...

Kurz vor dem Fall der Stadt Paris,
Wo ich nach langer Haft Dich fand,
Besucht uns oft der Emigrant
ERNST WEISS, der dort sein Leben ließ...
Arzt, Dichter: mischt er Giftarznei,
Nahm sie beim ersten Hunnenschrei...

Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben...

Lessing, der Denker, Fehm-gekillt...
Und HASENCLEVER, einst vernarrt
In den esprit – im Camp verscharrt
Von Frankreich... Welch Komödienbild!
CARL EINSTEIN: Auf der Flucht erhenkt...
OLDEN vor Kanada versenkt...

Ein edler Jahrgang deutscher Reben
Nutzlos verschüttet, ließ sein Leben.

Doch HORVATH, den ein Baum erschlug,
Damit solch Kleinod im Exil
Den Säuen nicht zum Fraße fiel,
Starb ganz er selbst: ein Satyr-Spuk...
Die Türe knarrt...zwölfmal pocht’s an:
Die tote Elf – der Sensenmann...

Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben...

In dieser Kammer, wo ich welk,
- ich in Marseille, Du in New York -
Wo ausgejätet und auf Borg
Und fruchtlos in Erinnerung schwelg
Drauf wartend, daß die Freundes-Elf
Gelinde mit hinüberhelf...

Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben...

...wär mir ein Etwas noch vergönnt,
Weil Neu-Jahr ist, so sei’s: ich könnt,
Sturmläutend jeden Nervenstrang
Dich hautdicht, duftnah herbeschwörn,
Dich atmen, tasten, schauen, hörn
Dank einem rauschhaft heilenden Trank...

Aber der Wein, daß ich genese,
Reift nicht, zerstört längst vor der Lese...

Sylvester 1940/41
Walter Mehring, der bekannte Berliner Dichter und Dadaist, hält sich auf der Flucht vor den Nazis in einer schäbigen Absteige der französischen Hafenstadt Marseille versteckt, um sich auf die Abreise mit dem vom amerikanischen Fluchthelfer Varian Frey organisierten Exilantenschiff nach New York vorzubereiten.

Neben Kurt Tucholsky und Erich Kästner zählt Walter Mehring zu den brillantesten politischen Chansondichtern der Weimarer Zeit in Berlin. Auf seiner Flucht vor den Nazis durch das besetzte Frankreich verfasst er seine „Mitternachtsbriefe“ in Versform. Im 10. Mitternachtsbrief, der in der Sylvesternacht 1940/41 entstand, gedachte er seinen im Exil umgekommenen Freunden – viele durch Selbsttötung.

Kommentare:

  1. Wow, das hast du wunderbar ausgearbeitet! Und echt: das Bild von dir ist zum verlieben! :-)

    Ich stimme dir weitgehend zu, obwohl ich selbst eine "Wegwerferin" war und in Maßen noch bin. Es ist ja nicht so (bei mir wenigstens nicht), dass man mal einen Satz hört und sich fortan danach richtet (das "entspannt" fehlt in deiner Version, ganz wichtig!). Anders als du konnte ich nie nie Ordnung in Altmaterialien halten, sie waren unzugänglich gestapelt und mein Verlangen danach, sie zu ordnen, ging immer gegen null. Weil es einfach in der jeweiligen Gegenwart so viel Spannenderes gab! (Nein, ich hatte nie ein "normales Arbeitsleben", das neben sich ordentliche Hobbys duldet, bzw. sogar erfordert, damit man nicht vor Langeweile früh ablebt...).

    Dazu kamen die Umzüge, ab 27 nicht mehr "ganz normale Umzüge", sondern binnen weniger Jahre mehrere, so von einem besetzten Haus ins andere. Da wird man es irgendwann müde, alle erdenklichen Materialien mitzuschleppen - auch meine "Bücherwand" musste dran glauben und seitdem hab ich 4 x 80 cm Bücherregal, wenns mehr wird, wird ausgemistet und weiter verschenkt.

    Ein weiterer Impuls Richtung hau-weg-den-Scheiß waren meine alten Verwandten, Oma, Opa, Großtante und so. Wie ich mich ohne Ende langweilte, wenn sie von "damals" erzählten! Ich sollte Teewurst essen, weil "wir damals im Krieg froh gewesen wären, sowas zu bekommen". Und ich (das schreckliche Zeugs im Mund vom Wohnzimmer zur Toilette transportierend) bestand auf hier-jetzt: "Hey, der Krieg ist aber doch vorbei!" Erfolglos...

    Nein, SO wollte ich keinesfalls werden!

    Ja, an dir ist ein Historiker oder Bibliothekar verloren gegangen - bzw. du verwirklichst das ja für dich zuhause. Selber hab ich meinen Kram beim "Kiezhistoriker" abgegeben - und ich weiß, dass die Amerika Gedenk-Bibliothek z.B. die Materialen der Hausbesetzerzeit umfänglich gesammelt hat. Warum mich also belasten? Ich kann eh nichts damit anfangen...

    Hoffentlich sorgst du per Testament dafür, dass dein Archiv in die richtigen Hände kommt und nicht mit dir verschwindet!

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  2. >> zum verlieben!

    hihi, dabei ist das ein "kind", während der kippe fluppende grinser auf dem weg zum "mann" ist und es da vielleicht gerade wirklich wird, weil er sich endlich mal in eine _frau_ verliebt hat.

    [..] wenn sie von "damals" erzählten!

    irgendwo auf diesem blog erzähle ich von onkel alois und seinen ewigen geschichten über verdun. verdammt, wie ich es hasse, ihm nicht zugehört zu haben ...

    [..] verschwindet!

    das mit dem verschwinden ist mir ja spätestens seit diesem jahr mehr als präsent und deshalb sorge ich hier und auf den tumblr.blogs für ein bißchen aufarbeitung der dinge, die wirklich "von bedeutung" sind.

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  3. Hab ich was verpasst? (Bzw. noch nicht in deinen Textmenten angetroffen...) Hattest du eine "finale Diagnose" - oder was meinst du?

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  4. don't panic ;-)

    http://hinterwaldwelt.blogspot.de/2013/02/zwischen-ernst-stroke-unit.html
    http://hinterwaldwelt.blogspot.de/2013/02/der-letzte-eifler-landarzt_18.html

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  5. und bevor ich es vergesse: "entspannt".

    wenn du die zwei posts gelesen hast, weisst du, daß ich in der übelsten situation der gefahr abzunippeln gegenüber durchaus entspannt reagieren kann. mich hat da nur die verarsche, dieses gelddruck-ding böse gemacht ...

    in der zwischenzeit, damit du nicht alles lesen musst, habe ich zwei runderneuerte halsschlagadern, wieder volle blutzufuhr ins gehirn ... aber an meinem leben nicht wirklich was geändert. na gut, ich war seitdem bei keinem burgerbrater mehr und das ist ja auch schon was ;-)

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  6. tja, so gehts, wenn man ungeduldig ist - hab nämlich zuerst die Artikel gelesen und erst DANN deinen späteren Kommentar!

    Deshalb schrieb ich zum Landarzt-Beitrag:

    beide Postings mit Spannung, Geduld und phasenweise Amusement gelesen - aber hey. ne richtige Info steht hier nicht, warum du in dem anderen Krankenhaus hopps gegangen wärst- Und auch nicht, was sie denn im zweiten Krankenhaus operiert, bzw. zu deiner Genesung beigetragen haben...

    Tja, so gehts - aber trotzdem, die Info hätte ich den Lesern dieser langen Postings schon auch gegönnt... :-)

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