Mittwoch, 9. April 2014

und? heute schon über was aufgeregt?

also zb. darüber, was auf diesem tee-shirt stand? schon eine meinung gehabt zu @tofutastisch und gleich einen tweet zu #mackergohome rausgehauen? oder eine gar eine ganze blogpost? und? dafür oder dagegen, was die so treibt?

und worüber regen wir uns morgen auf? daß irgendwelche arschlöcher partout nicht kapieren können / wollen, daß sie eigentlich keinen blassen schimmer von autismus haben?

eine geste sagt mehr als tausend worte
versteh mich nicht falsch, ich finde nicht nur, daß tofutastisch (extrem) süß ist und jedes g*ttverdammte recht der welt auf das tragen eines lustigen tee-shirts hat - immerhin bedankt sie sich ja nicht für die bombardierung einer ganzen stadt. sie äußert ihre meinung und das ist absolut okay.

nein, ich finde das sogar bereichernd und ich mag die attitüde, die selbstverständlichkeit und den ausgestreckten mittelfinger, mit der sie sagt, was sie zu sagen hat.

ich war ja "auch mal jung" und "zu meiner zeit ..." und so.

darüber mache ich mich nicht lustig ... ich kichere eher über den letzten satz ... nur um dem mißverständnis sofort vorzubeugen. oder gar darüber, daß menschen das zwitschern gelernt haben und nun auf der stange sitzen und fröhlich miteinander kommunizieren.

ich weiss nur nicht so recht, ob das kommunizieren ist.

oder ein gegenseitiges sich an- und niederbrüllen ...

am wochenende hat mir meine älteste (huhu, faye!) geschichten von der gender-front erzählt und da ich mich ja die tage sowieso mal fragte, ob ich diese eher reflexhafte haltung, jeden, der sich über den "genderwahn" echauffiert, sofort für einen vollhonk zu halten, nicht mal langsam einer differenzierteren neubetrachtung unterziehen sollte, war ich natürlich scharf auf geschichten aus dem wahren leben.

gruselig. aber, naja, damit muss ich ja nicht wirklich zurechtkommen, also mit den ergebnissen von diskussion in clubs, wie mit "sexuellen belästigern" umgegangen werden sollte. das müssen, sage ich mir an solchen stellen immer, die "jungen leute" unter sich ausmachen. die armen, aber da ist ihnen wahrscheinlich nicht zu helfen, da müssen sie halt durch.

glücklicherweise sieht das meine älteste eher entspannt und ähnlich, wie ich das sehe: schon ein bißchen verrückt, diese gendernummer, oder? als ob es darauf ankäme, sich unter gleichgesinnten eine kleine welt zu basteln, in der man sich sicher fühlen kann. naja, jedenfalls so lange, bis die wirklichkeit an die tür der "echokammer" klopft.

oder darum, selbstbewußt die dinge schon "geregelt" zu bekommen.

selbst.

das ist einfacher, als "geregelt" zu bekommen, wie man heute alles so nennt.

ich lerne, es muss wohl so etwas wie einen WHM (weiße heterosexuelle cis-Männer) geben, vulgo "Macker" und eine gerade linie vom song "geiler macker" von lusthansa 1983 zu einem tee-shirt heute und daß der wesentliche unterschied wohl eher darin liegt, daß es heute so etwas wie einen sprach- und code-kokon gibt, der das, worum es geht, in eine art sprachlicher zuckerwatte einmümmelt.


ich denke, das ist es, worüber sich fefe die tage lustig gemacht hat: jeder ist so firm und fit in seinem kleinen wortkokon, daß dabei verloren gegangen ist, daß sprache ja eigentlich etwas sein sollte, womit man sich "verständlich" macht.

mit dem anderen redet. versteht, worüber er redet. nicht über ihn und am ende nur das verstanden hat, was man eh vorher schon wusste. sprache ist wohl eher zu etwas degeneriert, mit dem man sich vom anderen abgrenzt

ich gestehe, ich verstehe manchmal gar nichts oder es bedarf einigen einsatzes, diese ganzen wortungetüme zu ergoogeln. wo sind bloß "die guten alten zeiten" hin und ... naja, könnten wir uns alle bitte nicht ein bißchen mehr liebhaben?

das ist der alte hippie in mir, ich weiss, "so was von 70ies" ...

aber ich war ja auch phasenweise mal ein punk und als solcher hätte ich den tee-shirt von tofutastisch abgöttisch geliebt und sie vielleicht dieses "geiler macker" von lusthansa. wir hätten vielleicht, hätten wir uns in zeit und raum in einer berliner punkkneipe getroffen hätten, zu "hans-a-plast", die in der kneipe ein konzert nach einer holländischen krakerband geben, pogo getanzt. "tanz auf dem vulkan, tanz auf dem vulkan, tanz auf dem vulkan so nennen wir das!"


weil wir uns als von einer gesellschaft gemeinsam ausgegrenzte verstanden hätten. wir "jungen leute" gegen die "alten säcke". vor dreissig jahren.

warum habe ích bloß den eindruck, daß in diesen dreissig jahren eine menge passiert ist ... man aber so ganz und gar nicht den eindruck bekommt, daß die "jungen menschen" davon irgendwie etwas zu wissen scheinen. kann es sein, daß diese jungen menschen die kinder der frauen sind, die ihrer empörung gegen eine hebamme luft machen müssen, weil, räusper, vielleicht ihre eigenen töchter lieber mal nicht so gerne mit ihnen über so was reden und das bedürfnis nach reden ergo ins internet verlegt werden musste?

wie versteht man sich denn heute? so als frau. als mensch.

viele der dinge, die in den 80ern gerade noch zarte pflänzchen waren, sind ja heute status quo. weibliches selbstbewusstsein zb. naja, eigentlich sollten sie es nach 30, 40 jahren doch sein. wenn nicht, stellt sich natürlich die frage, was schiefgegangen ist, wer bei der erziehung der kinder oder genauer, beim vermitteln eines soliden weiblichen selbstverständnisses  versagt hat.

nicht, daß sich wirklich die dinge verändert hätten, die in uns schwelen, wie mir gerade bei einem kurzen blick auf den blog von frauvondorf klar geworden ist, eher die rahmenbedingungen. die sollten eigentlich so sein, daß viele der dinge, die damals noch von toughen weibern erkämpft werden mussten, so selbstverständlich sein, daß man heute als frau jedem auf augenhöhe begegnen können müsste.

warum schreien sich dann alle an?

warum hüllt man sich in abstrakte wortkreationen ein, erschafft die von fefe postulierten "echokammern", in denen man, wie faye meinte (mir ging's situations- und altersstufenbedingt eher um das selbstreferentielle vielstimmige "kaffeekränzchen"), nur noch das eigene gesprochene wort hört.

sich selbst. aber nicht mehr den anderen.

woran liegt es, daß wir uns heute nur noch spüren, wenn wir uns abgrenzen. wenn wir statt leise und freundlich miteinander reden, uns statt dessen anschreien? warum - zum teufel - sind alle bloß so empfindlich geworden?

nicht empfindsam, das ist ein attribut, das ich frauvondorf zubillige, nein empfindlich. noli me tangere, rühr mich nicht an, an meine haut lasse ich nur noch mich selbst und die, die mir recht geben. ich & meine bubble. die "echokammer der gleichgesinnten"

zisch ab, du maskulistischer honk! du hast ja keine ahnung!

was der andere ist, was er will, darüber bestimmen wir lieber selbst. wir mogeln zur not worte in eine formulierung, die es uns erlauben, uns über sie zu erregen. nicht über den eigentlichen satz, sondern darüber, daß er für uns erst eine empörenswerte bedeutung bekommt, weil wir ihn mit unserem "bonus" angereichert haben.

womit du jetzt eine kurzzusammenfassung meines ausufernden streites bei claudia hast: es gibt keinen grund sich über jemanden aufzuregen, aber es gibt etwas, was in uns nagt.

um das artikulieren zu können, regen wir uns über den anderen auf. wir schreien auf, aber der schmerz ist nicht das, was der andere uns antut. es sitzt in uns und nagt uns ein loch ins gemüt.

wenn ich die aufregung um #selbstgeboren dem gegenüberstelle, wie frauvondorf mit ihren schmerzen umgeht, weiss ich jedenfalls sofort, wem meine sympathie gilt. sicher nicht den frauen, die sich in trauter runde über die projezierte böswilligkeit einer anderen frau empören, weil sie sich verletzt fühlen.

sorry, dieser schmerz ist hausgemacht, es bedarf keiner hebamme, damit er thematisiert werden kann. das hätte man auch wie frauvondorf halten können: erzählen, was schmerzt. anlaßlos. ohne eine projezierte "gegnerin", die man adressieren muss statt mit ihr zu reden.

von euch erzählen. nicht über andere reden

nicht sie hält "euch" für nicht "vollständig" oder "ganz", das tut ihr selbst und schuld daran ist euere euch sozialisierenden umwelt, "schuld" seid am ende ihr, weil ihr so etwas wie "richtig" oder "falsch" zuerst einmal für euch selbst akzeptiert habt und nun die verantwortung dafür, euch dem freiwillig unterworfen zu haben, an der autorin von "selbstgeboren" abarbeitet.

das war jetzt aber definitiv mein letztes wort zu #selbstgeboren.

aber sicher nicht mein letztes zur empöreria.

bis dahin kehre ich zurück in den cruising-modus.



ach ja, liebe @tofutastisch.

denk du auch mal bitte darüber nach, wieviel von deinem ärger hausgemacht ist. nein, nicht die sache mit dem tee-shirt, das ist cool, keine ahnung, warum sich irgendjemand darüber aufregt, "zu meiner zeit" wäre das "normal" gewesen, nein, eher dieses sich einlassen auf den "shirtstorm".

das könnte, das sollte dir eigentlich doch so was von am arsch vorbeigehen, oder?

aber es hat sicher spaß gemacht, du hast die ganze aufmerksamkeit wahrscheinlich genossen und die gelegenheit genutzt, dich als kluges mädchen mit einem stabilen theoriegehäuse zu outen. das ist dir gelungen, auch wenn ich zu meiner schande gestehen muss, nur die hälfte all der vokabeln auch wirklich verstanden zu haben.

das kam mir ein klitzekleines bißchen so vor wie diese diskussionen in den (frühen) 70ern, als alle noch haargenau rauskriegen mussten, wer marx nun wirklich richtig verstanden hat.

dann kamen die freaks & spontis. children of the revolution. legal, illegal, scheissegal ... "unter'm pflaster liegt der strand" ... "mach kaputt, was dich kaputt macht" ... und natürlich "keine macht. für niemand!"

ist wohl noch ein bißchen hin, bis ihr endlich auch so entspannt seid ;-)

na gut, wir hatten keine computer und mussten uns hinterher wieder vertragen, das ist vielleicht ein bißchen schwerer heute ... da müsst ihr durch ...

ach ja
“Toleranz” ist ein Herrschaftsinstrument, bei dem [den] Marginalisierten großmütig ihre Existenz zugestanden wird, ein Zugeständnis, das herrschaftskonform ist und jederzeit entzogen werden kann. 
och nö ...

toleranz ist eher so was, wie die coolness, ertragen zu können, daß der andere eben anders ist und funktioniert nur zweigleisig ;-)

aber, hey, die formulierung war schon klasse, wahrscheinlich steckt sogar ne menge wahres drin im satz, aber ... naja, die vollhonks, die probleme mit deinem tee-shirt haben, haben in keinster weise irgendeine "macht", die es ihnen erlauben würde, dir irgendwas zu "entziehen". die frage ist imho eher, ob du dir das recht herausnimmst, einfach zu tun und zu lassen, was _dir_ passt und einen scheiss drauf gibst, ob das jemand anderem passt oder nicht.

also, ob du bereit bist, dich der projektion zu unterwerfen, jemand anderer habe die macht und dabei die chance verpasst, schlicht deine eigenen regeln zu leben.

[ps] also @tofutastisch hat meinen kommentar mit dem link zu diesem post nicht veröffentlicht, was okay ist, ich hab' sie trotzdem lieb und diese "ich könnte dein papa sein"-attitüde funktioniert ja nicht mal bei meinen eigenen kids ;-)

 frauvomdorf hat sich wiederum gefreut über den zuspruch und anna von "selbstgeboren" war über meine "großer bruder"-attitüde auch eher entzückt. claudia wiederum hat den beitrag getwittert. das macht mich natürlich ein bisschen "iwwazwersch" und ich gebe freimütig ratschläge, wie man mit kleinen giraffen umgeht

das nur der vollständigkeit halber und um zu erklären, warum mich bestimmte themen, wie etwa das kinderkriegen immer noch beschäftigen ;-)

[pps] und schon wieder rivva ...

lieber leser, wenn du via rivva hier gelandet bist, sorry, das hier ist im gegensatz zu vielen anderen posts, die du hier finden könntest, keine post über drogen. die meldung, die die sz und der spiegel da verbreiten ist im grunde ein uralter hut, das könntest du, das könnte der spiegel und die sz schon seit gut einem halben jahr so erzählen, keine ahnung, wie sie drauf kommen, es jetzt zu tun.

sei also bitte nicht enttäuscht, das mit dem verweis auf den sz artikel war nur ein kleiner joke da oben ("entspannt"), aber hier gibt's einen tag "drogen", probier den, dann bist du nicht ganz so gefrustet. rivva halt ...

Keine Kommentare:

Kommentar posten