Donnerstag, 7. Februar 2013

auf die gedankenautobahn™

für manon zoë anaïs

wann bist du eigentlich das erste mal auf einer autobahn gefahren?

ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, ist zwar wirklich schon lange her, aber es gibt so ein paar eindrücke, die haben sich bei mir über die jahrzehnte festgesetzt.

da war dieses rumpeln unter mir. nein, nicht der wagen hat gerumpelt - mein "alter herr" war berufskraftfahrer, kneipier, hatte dann zuerst ein taxiunternehmen gegründet und schließlich eine kommunale buslinie eingerichtet. sprich, er war ein professioneller was autos betrifft und wenn ich das recht erinnere, saß ich hinten in einem mercedes.

deutsche wertarbeit.



nicht wie die peugots, die er vorher als taxi einsetzte und bei denen man, um an die lampen oder irgendwas anderes nützliches heranzukommen, fast den kompletten motorblock ausbauen oder doch zumindest ziemliche verrenkungen machen musste.

ganz eklig, kann ich nur sagen. da steht man als kind nebendran, hält sich tapfer an seinem kreuzschraubenschlüssel fest, den man holen musste und der sich dann irgendwie immer als "falsch" herausstellen sollte, weil ein "schlitzschraubenzieher" gemeint war.

so eklig, daß ich beschloss und zwar sehr früh, daß ich niemals einen job haben wollte, bei dem man in oder unter ein auto kriechen würde müssen und dann mit einem halben liter öl im gesicht wieder auftauchen.

niemals. eher was mit herumsitzen und nachdenken

ölverschmierte väter haben etwas erschreckendes.

nicht nur, daß sie ständig herumbrüllen müssen, wenn man was falsch gemacht hat. man versteht ja als kind nicht, daß die einfach nur mies gelaunt sind, schon wegen dem in oder unter etwas kriechen, dem öl, das einem die klamotten oder das gesicht zuschmiert.

man hört halt das gebrüll, fürchtet sich vor dem herannahenden tobsuchts gewitter und denkt: niemals! nicht so. nicht ich. nicht mit meinen kindern.

es muss etwas berufliches gewesen sein, jedenfalls saß ich eines tages auf dem rücksitz von einem mercedes und der rollte über die autobahn, es rumpelte unter mir und irgendwie auch in mir. das in mir war wohl der "stramme max", den er im hunsrück oder in der eifel, so genau weiss ich das nicht mehr, spendiert hatte.

professional halt. saarländer. "hauptsach gudd gess geschafft hon ma schnell". naja, die anderen, er hat ja eigentlich immer gearbeitet, das mit dem "gudd gess" war eher die sache meiner mutter, also dieses "leben"-ding, der spaß an etwas.

wir waren kinder (1965)

natürlich hatte ich spaß auf dem rücksitz

kinder haben das drauf, dieses "ich hab' zwar gerade gar keine lust zu dem, was der schon wieder von mir will, aber davon lasse ich mir den spaß nicht verderben". aus dem fenster gucken, keine ahnung haben, an welcher wiese oder wald man gerade vorbeifuhr. wiesen und bäume fand ich jedenfalls spannend.

wenn nur dieses rumpeln nicht gewesen wäre.

also das unter dem auto und das in meinem bauch.

von vorne kamen erklärungen, die man als kind noch nicht versteht, irgendwelche namen von orten, die einem nichts sagen, im fahrer aber eigene erinnerungen nach oben spülen, die dann wortreich zu besten gegeben wurden.

erfreulicherweise schien er verstanden zu haben, daß wenn man etwas in ruhe erklärt, das bei dem kind auf dem rücksitz die bereitschaft anhob, sich irgendetwas zu merken oder doch interesse in einem dem kindlichen stolz nicht allzu abträglichen maße zu heucheln.

funktionierte offensichtlich besser als diese "schlitz"- oder "kreuzschraubenzieher"-nummer, weil ich eben eine erinnerung an eine autobahn habe, die unter mir rumpelte und daran, daß der "stramme max" und ich wohl keine freunde wurden.

"die hat noch der hitler gebaut!"

ja, so sah sie auch aus. platten aus was-weiss-ich-was für einem material zusammengestöpselt. immer wenn man über eine "nut" fuhr, rumpelte das auto. ah, wieder was dazu gelernt!

der hitler, also, aha. ta-tack ta-tack ta-tack ...

das nächste, was ich dazulernte: es gibt so etwas wie "reisekrankheit".

über den "strammen max" will ich mal nicht spekulieren, er hatte ja auch einen gegessen und während ich langsam anfing, das fenster herunterzukurbeln, kamen von vorne die geschichten von früher, die mich aber irgendwie nicht recht erreichten.

weil das nächste, woran ich mich erinnere ist, daß ich aus dem fenster kotzte.

auf die autobahn. die vom hitler.

nicht wegen dem hitler.  

eher weil da überall diese "nuten" waren, an denen die quader zusammengefügt waren und das auto immer rumpelte und in meinem magen, vielleicht wegen dem "strammen max".

wer weiss das schon?

sag' mir nichts gegen die autobahnen von dem hitler!

damals fuhren autos noch mit nägeln in den reifen im winter, spikes, und? hat das die autobahnen ruiniert? mussten die da jedes jahr einen neuen belag drauf machen? ach was!!! deutsche wertarbeit!. noch vom hitler!

früher waren autobahnen eben noch zäh! die hielten was aus.

alle hielten was aus, damals, in der "guten alten zeit" (gaZ), autobahnen, kinder, mütter und väter. alle mussten was aushalten und über alle fuhren dinge, die mit nägeln gespickt waren.

"spikes."

für mich ist "spike" dieser vampir aus buffy, von dem billy idol die frisur hat und den david nathan spricht. der erste junge, in den sich meine töchter verliebten und der dann - knapp vorbei! - ein mädchen aus trier heiratete. also der schauspieler, spike & buffy waren da schon geschichte.

aber eben so was von knapp vorbei ... einmal auf der richtigen fete und sie hätten ihn in echt ...

damals, in der gaZ bedeutete "spikes" noch was anderes.

aushalten, daß es einen gibt, der das auto fährt, kein verständnis dafür hat, daß man es immerhin geschafft hat nicht in sondern aus dem auto raus zu kotzen, nein, der muss jetzt das auto waschen. arbeit, arbeit, arbeit.

heute hat man waschanlagen und man kann auch nicht mehr auf hitler's autbahn kotzen, sie liegt unter schichten und schichten von neuen belägen verborgen wahrscheinlich immer noch da und wir spüren sie nicht mehr unter uns.

keiner muss mehr kotzen, weil es unter einem rumpelt

"stramme maxe" sind - hoffe ich doch schwer - aus der mode wie "soleier", kinder sitzen jetzt angeschnallt hinten und bekommen lieber vorsichtshalber ein medikament gegen reisekrankheit. eltern schieben eine scheibe von den "dire straits" in den cd-player und alles ist easy, das kind sitzt hinten und hört auf seinem mp3-player ein hörspiel von benjamin blümchen, in dem dieser erklärt, daß er an die "wiedergeburt" glaubt, weil ... er in einem früheren leben mal omnibusfahrer war.

wenn du jetzt sagen kannst, in welcher folge er dies tut, hast du echt nen stein im brett bei mir. ich werd's auf jeden fall nicht verraten, da musst du schon alle folgen mit deinen kindern hören, um es herauszubekommen. und später mit ihnen "buffy the vampire slayer" gucken, wenn sie "coming of age" werden ...

jedenfalls ist es heute nicht mehr so rumpelig. man könnte sagen, es ist besser. für kinder auf jeden fall - die darf man nicht mehr schlagen, weil diese bösen 68er in ihrer inkarnation als rot/grüne regierung dafür gesorgt haben.

die haben überhaupt so viel kaputtgemacht, die 68er

das glaubst du nicht, echt nicht. heute kannst du eine pfanddose nicht mehr einfach so aus dem fenster werfen, wenn du über diese tollen autobahnen fährst ... ha! da ist doch jetzt pfand drauf ... alles haben die geregelt, die rot/grünen, die ganze freiheit, die man so hatte, früher, in der g.a.Z. zerstört, vernichtet uns in einer dikatatur der political correctness mit den eurokraken alleine gelassen!

ja, so waren die, die 68er,

naja, das lese ich halt so, wenn ich mich durch die kommentarspalten von angesehenen zeitungen kämpfe und versuche, nicht zu kotzen, weil ich immer noch reisekrank werde bei so was, da hilft kein medikament, wenn der horizont anfängt vertikale zu spielen, das gehirn eine pirouette macht und jemand zucker in den tee geschüttet hat.

naja, wenn ich ehrlich bin: ich habe keine ahnung von autobahnen und wenn ich da oben irgendwas von zusammengerückten blöcken fasele und daß die der hitler gebaut hat, oder davon ins schwärmen gerate, daß die jede spike-attacke überstanden - glaub mir kein wort.

das hat mich einfach nie wirklich interessiert dieses auto oder busse ding. frag einen von der straßenmeisterei, der wird dir erklären, daß das quatsch war und der mann hat mehr ahnung als ich.

vor allem war ich da ein kind

in der g.a.Z. eben. als alles noch besser war.

bis auf die "spikes" halt.

die damals manchmal auch in form einer "bewegten" jugend oder journalisten der politik im gesäß saßen und den herrschaften in bonn feuer unter dem selben machen konnten. oder es doch wollten und dann, in der journalistischen variante, gelegentlich die gebotene höflichkeit und den bückling vor der autorität so verinnerlicht hatten, daß der übergang zum angepassten hofschranzen diverse male ohne "nut" und ohne gerumpel passieren konnte.

womit du und ich am ende dieser einleitung zu einer mehrteiligen post angelangt sind, die sich allerdings - so hoffe ich doch - weniger "rantiger" entfalten wird als etwa der "sisyphos", er ist eher so butterweich angelegt, wie ich das nur sein kann.

ich verspreche ab sofort nur noch grateful dead konzerte zu hören, wenn ich mich über dieses thema auslasse. "i know you rider ..."


"Down On The Road Today
I Saw A Dead Head Sticker
On A Cadillac"
(Don Hensley "The Boys Of Summer")

bevor du gehst: lies bitte diesen artikel auf telepolis von marcus klöckner"Brüderle-Debatte: Die passive Revolution im Journalismus". nicht als seitenhieb auf die immer noch tobende #aufschrei-debatte, nein, er hilft dir zu verstehen, warum es unter uns nicht mehr rumpelt. 

und Der Fall Wulff - ein Blick hinter die Kulissen der Affäre sollte man vielleicht auch mal hören, wenn man in der großen "wulf debatte" etwas zum thema gesagt hat und sich fragt, was eigentlich aus dem bösen wolf geworden ist, der die armen schafe von der weide gefressen hat. viel spaß damit.

damit das hier einen gewissen "mehrwert" hat, "nützlich" ist, der hippie in mir schreit "teilen!" und überhaupt gestern in meiner meiner statistik seltsame gesellen ihr unwesen trieben ...

www.vampirestat.com
www.zombiestat.com

hinterwaldwelt.vilagpiac.com
www.adsensewatchdog.com

also bei mir hat das hier definitiv geholfen.

auf anderen seiten stochern irgendwelche neunmalklugen im nebel herum, "ja da kann man halt nix machen", "ist nicht so schlimm", "ist doch schlimm", "oweia - ich hab mir einen trojaner gefangen, einen ganz schlimmern" .

wenn die leute einfach mal die klappe halten könnten, wenn sie in wirklichkeit nichts zu sagen haben.

statt dessen wird alles zugemüllt.

aber wie gesagt das hier hat bei mir funktioniert. simple & easy, das offensichtliche eben.

worauf aber keiner kommt, weil's so offensichtlich ist

[ ha! doch noch was "philosophisches" reingepfriemelt, echt hinterfotziger scheiss, wa? ]

das wird uns noch zu denken geben, dieses "offensichtlich" und "keiner sieht es".

ist aber nix philosophisches, eher das alltäglichste, was uns so passiert.

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