Donnerstag, 6. September 2012

macht uns das internet eigentlich schlauer?

ehrlich, ich hab' keine ahnung.

ich weiss ja noch nicht einmal, was das ist dieses "wir".

auch wenn ich damit jetzt langsam nerve: dieses "wir" war mal ein verdammt kleine anzahl - jedenfalls in der relation.das machte die definition dieses "wir" relativ einfach, "wir", das waren die leute, die dazu in der lage waren, windows (3.2) einen "cFos" treiber unterzujubeln, als endlich diese quietschenden19,2 modems aus der und isdn in mode kamen. das setzte einiges voraus, vor allem das interesse, sich überhaupt mit computern auseinanderzusetzen.

heute denkt ja jeder, daß das schon immer so war.



jedenfalls war damals dieses "wir" ein klar abgegrenzter haufen - und auch wenn sicher nicht alle eine - und nur eine - meinung oder vorstellung davon hatten, was mal daraus werden sollte, aus dem computer, dem internet und der welt ganz allgemein, sie gingen freundlich miteinander um. was sicher daran lag, daß alle ein bißchen unsicher waren und unsicherheit ist jedenfalls ein gutes mittel gegen grobheiten.

ganz allgemein: das netz war "links".

ich weiss ja, daß man heute fernsehdokureihen drehen muss mit der frage "was war links", weil ja im grunde angeblich kein schwein mehr weiss, was das noch mal war, dieses "links". jedenfalls konnte man eine gewisse "aufklärung" bei seinem gegenüber voraussetzen - sonst wäre das gegenüber ja mit anderen dingen und nicht mit so etwas aufklärerischem wie computern und dem internet befasst.

wenn ich mal gerade eine kleine "verdun"-anekdote aus dem jahr 1994 einfügen darf, um zu verdeutlichen, wie das war.ich weiss, du kennst die wahrscheinlich schon, aber - das ist der kern von "geschichten über verdun" (in meiner jugend konnte man so was ja noch hören), sie werden so lange erzählt, bis das alte "frontschwein" seine eigene heldenrolle verinnerlicht sieht und zur überzeugung gelangt ist, daß sein gegenüber die "lehren" aus seiner geschichte ziehen kann. was in diesem falle sicher noch eine weile hin ist ...

also: im spiegel forum, das damals unter compuserve lief, trat ein gewisser michael g. in die runde (ein gemütlicher englischer club und wohl die größte sarah wagenknecht fangemeinde der welt - in jenen tagen) und beschwerte sich lauthals darüber, daß in frankfurt schon wieder eine synagoge eröffnet worden sein, "natürlich von UNSEREN! steuergeldern" und "wo es doch kaum noch juden gibt in deutschland".

danach brach das los, was man heute einen shitstorm nennt, alle fielen zuerst von der couch und dann in kollektive exstase: da war er endlich, der "feind" - auf ihn mit gebrüll!

heute ist ja jeder mit dieser art situation vertraut, der "feind" hat sich ja breitgemacht und erzählt dir an jeder forums-ecke, daß die verdammten muselmanen raus müssen, der euro abgeschafft gehört - halt diesen ganzen schweinkram, über den man sich ja heute in solchen situationen nur noch reflexhaft "empört" - wobei man heute eher überrascht feststellen muss, wie exzessiv sich der "feind" schon ausgebreitet hat und welche orgien er gelegentlich in den foren gerade der sog. mainstreammedien feiert.

das netz ist heute nicht mehr "links".

und sicher nicht mehr "wir"

dieses "wir" war damals selbstbewusst genug, nicht nur in hysterie zu verfallen.

unglücklicherweise reichen meine "logfiles" nur bis in den november 1994 - muss wohl mit der einführung von navCis incl. seiner foxpro datenbank zusammenhängen, also heimspiel für einen clipper-programmierer - zurück, so daß ich den verlauf der sache nicht mehr "beweisen" kann, aber die später stattfindenden kleinen schlagabtäusche mit michael g. lassen mich vermuten, daß mein gedächtnis mir keine "schöne alte zeit" vorgaukelt:

es gelang diesem "wir", michael zu verdeutlichen, warum dieses "wir" entsetzt und verletzt war.

das hatte da ja noch eine bedeutung, daß man "verletzt" war, das auch sagte und das das dann vom gegenüber verstanden wurde.ein halbes jahr im handelsblatt werden jeden überzeugen, daß das heute definitiv nicht mehr der fall ist.

michael jedenfalls, um die geschichte zuende zu erzählen, blieb "uns" erhalten.

er bedankte sich artig dafür, daß "wir" (ach was, keine falsche bescheidenheit, wir sind hier auf dem schlachtfeld vor verdun: natürlich ich!) ihm geholfen hätte(n), etwas zu sehen, was er vorher wohl so nicht verstanden hatte - und postete in der darauf folgenden zeit regelmäßig kleine provokationen, um sich zu reiben - begleitet vom fröhlichen augenzwinkern des "wir".

der prototyp des "trolls". der erste echte kam dann später, hellmuth s., der fröhlich verkündete, eigentlich lese er ja den focus, um dann allen wesen, die er für weiblich hielt, anzusabbern.danach lernte ich dann den prototyp des feschen fdp-lers kennen, der die "anti-semitismus"-keule brachial einzusetzen wusste, weil er helmuth in nichts nachstehen wollte in sachen ansabbern ...

ach ja, so war das in den schützengräben vor verdun, anno dunnemals, als dieses "wir" noch eine überschaubare anzahl war und netscape den navcis ersetzte, aol sich an compuserve verschluckte und boris den weg frei machte für alle, die endlich mal rein wollten.

michael g. war jedenfalls ein geglücktes beispiel von integration.

das war klar definiert, dieses "wir". es integrierte ...

was, bitteschön, ist heute "wir"?

jedenfalls definitiv nicht dieses phantom "netzgemeinde"

wenn ich mich im netz bewege, lese und ggfl. auch mal eine meiner schrecklichen postings in die runde feuere, dann habe ich vorher eine menge arbeit. ich muss ja eine menge lesen, bevor ich schreibe. weil - ich dachte, das geböte die aus "WK I" tradierte "netiquette" -  man den anderen ja nicht aus ignoranz mißerstehen möchte.

heute weiss ich nämlich nicht mehr von vorneherein, mit wem ich es eigentlich zu tun habe und ... phhhht ... ob er das, was er so schreibt, auch so meint. ob es vielleicht eine gut versteckte ironie oder einen gewissen sarkasmus beinhaltet. ob mein gegenüber "trollt" ...

ich habe nichts gegen "trolle". 

klar, trolle sind unerfreulich, wenn man einen blog betreibt und denkt, man müsse den müll entfernen. manchmal, weil man ihn schon gar nicht mehr versteht. eine meiner "lieblingsfiguren" im "trolling" ist zb. das "erster!", das ich bei - sagen wir einmal dem postillon - auch nach dem 130.000en mal immer noch lustig finden kann, darüber regen sich nur "zweite" auf.

ausserdem, wer hat nicht schon mal einen knackigen 100 zeichen hammer vom himmel fallen lassen, bevor das "twittern" hieß und das konvolut der an schwarze bretter gepinnten postings eines tages durch einen 148 zeichen "bon mot" ersetzt wurde. wer liest heute schon texte? wozu? dafür ist doch gar keine zeit. früher musste man zu drei, vier sachen eine meinung haben, heute muss man ja für 12.000 themen in drei millisekunden eine in 148 zeichen packen können.

jemand sollte mal ein programm schreiben lassen, das diese menge adäquat handelt.

natürlich ist "troll" nicht gleich "troll". es gibt auch diese fette, arschkratzende, rülpsende spezies von pizzaverschlingenden debilen 17jährigen, die den scheiß genau so meinen, wie sie ihn schreiben.

also eigentlich eher "prolls". 

aber das wort ist ja aus der mode verschwunden.sagen wir einfach einmal diese spezies, die von den nachmittäglichen talkshows bei den "privaten" in den 90ern "sozialisiert" wurde. die erste generation von versuchskaninchen für die sich entwickelnde elektronikbranche fungieren musste: man kann ihnen keinen vorwurf machen. ich tendiere da eher zu mitleid:

sie kennen es einfach nicht anders.

sie sind halt in dieser art welt aufgewachsen, so wie heute kiddies mit f#ckbook, twitter und buzz-feed aufwachsen, die wohl dritte oder vierte generation der never ending testreihe "operation am offenen hirn", derer wir alle teilhaftig werden dürfen und die wir in blogs tapfer gegen die einwände dieses hirnforschers, verflucht sei sein name!, glauben verteidigen zu müssen.

sie sind ja nur opfer, auch wenn sie sich für buzz lightyears halten.

was ist das also, dieses "wir" der "netzgemeinde"?

ich habe keinen blassen schimmer. nur ein wort? ein "gespenst"? eine illusion?.

etwas, das in den medien verwendet wird, um einen eindruck davon zu vermitteln, daß es "da draussen" in der finsteren welt des internets wohl einen haufen von leuten gibt, der einen "like"-button klicken und damit einen "shitstorm" lostreten kann, der dazu führt, daß wiederum andere leute einen tag lang auch jede menge buttons anklicken müssen: jede menge adrenalin und kaffee in hohen dosen.

wobei man sich in so einer situation damit trösten könnte, daß morgen ein haufen anderer leute jede menge buttons drücken muss, weil "die netzgemeinde" da draussen sitzt und darauf wartet, daß man eine sau durch's dorf treibt. hallali.

wobei ich mich an der stelle jetzt ernsthaft zu fragen beginnen muss, was denn bitte schön die welt "da draussen" noch von der "hier drinnen" unterscheiden soll. es ist der selbe saudumme mob, dessen größtes vergnügen die sauhatz ist.

ist das die "netzgemeinde"? 

wenn ja, lebe ich damit, daß ich wahrscheinlich einen großteil der "mitbürger" für ziemlich unterbelichtet halten müsste, weil für diesen teil kein essentieller unterschied zwischen rtl2 und dem internet besteht. die art von konsumistischem pack, tut mir leid, das sagen zu müssen, dem es natürlich leicht fällt, eben mal auf einen "like" button zu drücken.

kost' nix und ist ja für die gute sache, wa? wo sind die katzenbilder?

zwischenspiel

schon okay, zu diesem mob gehörst du natürlich nicht.

du gehörst eher zu den irren, die es bis hier hin geschafft haben und immer noch bei der stange sind. so viel nerven möcht' ich haben. respekt!.du hast sicher auch spaß am letzten david-lynch film ...

oder: ist die "netzgemeinde" die erfindung einer "digitalen bohème"?

auch weil man nur so eine gemeinde "regieren" kann? wir (hier drinnen) gegen die (da draussen). da draussen lungern die bösen reaktionäre mit ihren büchern, die sie zu allem überfluss auch noch verkauft bekommen, während wir hier drinnen nicht mal mehr abschreiben dürfen, was wo anders steht! eine schande ist das ...

steh! zusammen! netzgemeinde!

wie gesagt, ich weiss einfach nicht, was das ist, was da zusammenstehen soll.

ich befürchte, es ist nur eine illusion, genährt von einem amorphen haufen und einer kleinen elitären schicht, die das neu erwachte "wir" gefühl aufsaugt oder drin badet. "WIR" haben's DENEN gezeigt ...

ach g*ttchen.

wahrscheinlich sollte "man" sich sowieso mehr gedanken darüber machen, warum diese illusion überhaupt so pfleglich gehegt, warum sie mit einer "realität" verwechselt wird und was wohl passiert, wenn eben jene, "die realität", die tür eintritt - natürlich erst, wenn sie erst mal herausgefunden hat, was das ist "die realität".

jedenfalls nicht diese allzeit stimmungsbereite, amorphe masse, die sich zunehmend ungenierter selbst darauf konditioniert, ad hoc in gefühle auszubrechen.

mit ein bißchen böser phantasie, könnte man an dieser stelle bilder vom reichsparteitag der NSDAP in nürnberg halluzinieren, in denen eine da sehr schön geordnete masse durchchoreographiert die arme synchron streckt.

oder: sich vorstellen, daß die sehnsucht nach dieser choreographie, diesem "wir", als gegenreaktion auf das amorphe teil einer realität sein könnte.

muss nicht so sein, aber man sollte es sich vorstellen können

zb. daß "die sache" nicht "gut" endet und es den besagten tritt gegen die tür gibt. und es hinter der tür eine gut konditionierte "gemeinde" gibt, die denkt, das sei nur der pizzabote.

oder, sind die piraten etwa "der arm der netzgemeinde"

ich erspare mir mal bemerkungen über die piraten und überlasse das dem länderbericht von gestern im dlf "Die Piraten in den Landtagen". nope, auch kein schiff, auf dem ich segeln möchte ...

also ehrlich: ich hab' keine antwort, auf die frage, ob uns das "internet klüger" macht. oder dümmer. tut mir leid, dich an dieser stelle so lange aufgehalten und mit meinen kleinen abschweifungen irritiert zu haben, dich mit dem versprechen einer antwort hier her gelockt, und sie dir dann so schmählich zu verweigern.

aber so isses nun mal:

ich hab' keine ahnung.

ich kann mir ab und an mal was vorstellen, zur not auch mal was "kulturpessimistisches".

das ist eine deutsche erbkrankheit, habe ich mir sagen lassen, rührt daher, daß die kelten angst davor haben, daß ihnen der himmel auf den kopf fallen könnte. siehe da: im chiemgau ist ihnen dann der himmel tatsächlich auf den kopf gefallen. wahrscheinlich hatten sie erst hinterher angst davor, weil sie jetzt ja wussten, daß einem der himmel auf den kopf fallen kann. das steckt in unseren genen, "uns" passiert was und dann haben wir hundert jahre angst davor, daß es noch mal passieren könnte. oder jahrtausende.

ich will gar nicht drüber nachdenken, was noch so alles in unseren genen steckt, aber ich befürchte ein klitzekleines bißchen, diese sehnsucht nach dem "wir" steckt auch drin. in "uns".

weil ein "die anderen" eben nur mit einem "wir" geht.

die anderen sind die bösen. die da draussen zb., die denken, wir wären dumm, nur weil wir permanent tastaturen hämmern, mäuse klicken und touchscreens wischen, blogs lesen, selbst so'n kram schreiben, während sie auf der baustelle den bohrer ansetzen, in der frühstückspause die BLÖD lesen und uns hassen müssen, weil wir ein dummer & fauler haufen sind.

sagt ja - wie man so hört - dieser hirni spitzer

darüber müssen "wir" uns nun eben aufregen.

ich höre gerade, ich muss mich da schon gar nicht mehr drüber aufregen, es geht aktuell um 60-90-60. wo bleibt eigentlich martina schulte, wenn man sie dringend mal bräuchte, heilige martina hilf!

ah, und es gibt neues über den durchgeknallten hank williams jr., ted nugent und die blödis von megadeth, die für die republikaner werben. funny. obwohl, ted nugent .... hm ... "catch scratch fever" von der "double live gonzo" wenn paul ryan zu deren entsetzen "rage against the machine" mag, warum sollte ich auf den guten alten nugent verzichten, der hatte schon immer nen hau weg.

oder ich könnte mich natürlich auch mit den fragen beschäftigen, die heute von jerzy montag, dorothe jung, sergej lagodisnky und salomon korn durchdiskutiert werden und in dem kommentar von michael watzke ihr sahnehäubchen bekommen.

ein bißchen wie in monthy pythons "ritter von der kokosnuss", nur daß der schwarze ritter hier sozusagen am grab auf "(end?)sieg" plädiert. so kleinkariert, so kulturpessimistisch, ist der herr stellvertrende genetisch etwa ein verkappter "deutscher"???

oder, besser noch, ich hänge ein bißchen bei peter zudeick ab und ömmel mich über die bayern ...

ach ja, wer war noch mal dieser spitzer?

und wer, verdammt, ist dieses "wir"?

egal, zudeick rules!

mal ehrlich, hat dich das jetzt "schlauer" gemacht?

ich rätsel' immer noch so rum ...

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