Donnerstag, 28. Juli 2011

manifest 2011 - die dummheit explodiert

leider wortwörtlich. sie hat begonnen, um sich zu schiessen.

das problem mit dummen menschen ist, daß es ihnen leider nicht möglich ist, zu verstehen, daß sie eben dumm sind. sie sind "beschränkt",

sie können nichts sehen oder begreifen, was sich ausserhalb ihrer "tunnelrealität" abspielt, ein bißchen so wie in dem witz, in dem ein betrunkener eine litfaßsäule mit den händen abtastet und jammert, er sei eingemauert. das hat schon etwas kafkaeskes, menschen beim versuch zu "denken" beobachten zu müssen, die sich permanent um diese litfaßsäule winden.


ein halbwegs intelligenter mensch weiss, daß er dumm ist. wenn er einen raum betritt, weiss er, daß es in dem raum eine person geben könnte, die schlauer ist als er selbst, und freut sich darauf, etwas von dieser person zu lernen. "ich weiss, daß ich nichts weiss". schlimmer noch, "ich weiss, daß ich es wahrscheinlich auch nicht schaffen werde, auch nur einen bruchteil zu verstehen, bevor ich tot umfalle". nicht, weil man zu dumm dafür ist, sondern weil jede frage nur zwei neue aufwirft und die zeit für antworten eben nicht reicht. das macht den unterschied und ist eine gute voraussetzung, etwas an der eigenen dummheit zu ändern.

"wirklich" dumme menschen wollen nichts ändern, schon gar nicht sich selbst oder ihre art, die dinge zu verstehen.

nicht nur, weil man leider als mensch nur verstehen kann, was man eben zu verstehen gelernt hat und unsere willensfreiheit wohl nur ein ziemlich jämmerliches konstrukt ist, mit dem sich unser ego bei laune halten will.

nein, wahrscheinlich auch - wenn man denn den dummen die fähigkeit unterstellt, sich ein klitzekleines bißchen für die unbewusst sehr wohl wahrgenommene eigene dummheit zu genieren - die scham und die angst, als dumm erkannt zu werden.

dumme menschen tendieren in einer solchen situation - das muss der affe in uns sein - zur aggression. sie blähen sich auf, sie versteifen sich, sie trommeln sich auf die brust und spekulieren darauf, daß sich das rudel schon irgendwie einschüchtern läßt.

wie ich auf so blöde gedanken komme?

ich las die tage einen provokanten post von malte welding, der sich seinen frust über "schlechtmenschen" von der seele schreiben musste. ich will mich mal gar nicht lang und breit darüber mokieren, daß das wohl so ein sozenblog ist, denen geht es so dreckig, daß es einfach keinen spaß machen würde, da auch noch lang und breit drauf herumzutrampeln, also was soll's?

oder darüber, daß malte einen quietschebunten ton anschlägt, was ihm die PC-patrouille natürlich sofort unter die nase reiben musste und die einhaltung korrekter umgangsformen einforderte. ihm sogar attestierte, daß das "kontraproduktiv" sei, so herablassend die zu kleinen schwänze der von ihm angesprochenen klientel zu kommentieren. die, als sahnehäubchen, seinen erguss eh nicht läsen. halt die alltägliche trübsal ewig bemühter guter menschen, die nur das beste wollen.

nein, eigentlich will ich mich überhaupt nicht über malte mokieren, weil ich das, was er da schreibt, gut verstehen kann. den frust, den er geschoben hat, diese sisyphus-nummer, die man über die jahre aufführt bei dem versuch, dummen menschen beim denken zu helfen. ich verstehe seinen ausbruch unkontrollierter hibbeligkeit als den moment, in dem er sich sagt "es reicht!". .

ich will jetzt nicht lang und breit darüber jammern, wie sich das internet entwickelt hat seit jenen tagen, in denen sich ein fähnlein aufrechter den platz eroberte und eine kurze phase erleben durfte, in der sich zb. im damaligen "spiegel-forum" bei compuserve alle noch zuhören und voneinander lernen konnten.

in denen es noch möglich war, dem ersten "troll", der den club betrat und sich darüber beklagte, daß schon wieder "von unserem steuergeld!" eine synagoge in frankfurt gebaut werde, auf das system, die linken und überhaupt schimpfte wie ein rohrspatz und ... wunder waren damals noch möglich ... es nach einem monat tatsächlich verstanden hatte, warum die übrigen anwesenden seinen ausbruch als etwas "unanständiges" empfanden.

so etwas konnte tatsächlich passieren und da "damals" navCis das werkzeug der ersten wahl war und die posts noch von einem "board" mit 19.200er modems heruntergeladen und in foxbase dateien abgelegt wurden, ist diese geschichte halbwegs brauchbar dokumentiert. wenn ich mich daran erinnern möchte, daß es einmal "bessere zeiten" für die kommunikation intelligenter, aufgeschlossener menschen gab, könnte ich alles nachlesen, aber mal ehrlich: wen interessiert noch der scheiss, den man vor zwei tagen produziert hat? geschweige denn der, der sich vor 15 jahren so angesammelt hat, die ganzen alten liebesgeschichten, die sich durch berge von emails wälzen, kriegsgeschichten über die ersten offen ausgetragenen fehden.

wenn man nach erklärungen dafür suchen will, warum es "damals" noch möglich war, einen "troll" zu "bekehren", dann dürfte das im wesentlichen darauf zurückzuführen sein, daß eben nur menschen am gespräch teilnehmen konnten, die in der lage waren, auf dos-ebene einen cFos-treiber vor windows zu starten, damit das isdn modem lief. es gab noch keine computerBLÖD, die kiffenden robert anton wilson fans waren noch unter sich und nur sehr langsam gesellte sich der typus balzender troll auf kontaktsuche zu der trauten runde. was zu anfang durchaus erheiternd sein konnte, wenn man sich als frau ausgab und die fülle instinkgetriebener balzrituale aus der "ersten reihe" studieren durfte.

mit zunehmender bevölkerung des virtuellen marktplatzes haben sich die balzenden trolle vervielfacht und in ein spektrum von unterspezies aufgesplittet, wie etwa die busenblitzer-geilen fans von "short-news", die offensichtlich noch nie eine nackte frau gesehen haben - und, denke ich manchmal - ich grunde auch nie eine sehen möchten bis hin zu den kannibalistischem sex nicht abgeneigten dark-room bewohnern.

der platz ist halt so groß, daß sich jeder seine kleine nische erobern kann, jeder laut sagen kann, was er so denkt - kein problem, interessiert eh niemanden. oder, wie das jemand in den frühesten tagen einmal schön gesagt hat: "sind alles nur bit und bytes. landen alle im daten nirvana".

eben. wer zum teufel soll den ganzen scheiss denn bitte lesen? jemand der schon genug damit zu tun hat, sich halbwegs durch die wunderbare welt der blogs und feeds und tweets und shares und likes und plusses bewegen will, ohne die nächste kurve zu verpassen und an die virtuelle wand zu klatschen? eben. man will ja vielleicht auch so lästige sachen wie essen und den stuhlgang erledigen, vielleicht einen blick auf die neue folge "fringe" werfen oder diese rattenscharfe "das schicksal roms", allerdings nur in der version, in der die "helden" tatsächlich latein sprechen und nicht ekelhaft overdubbt werden ...

kurz: der kuchen ist so groß, daß man im grunde froh sein kann, wenn man die kirsche oben drauf abbekommt und ein paar schokostreusel. wie malte's unkontrolliert fröhlichen ausbruch, etwa.

der steht am ende einer langen periode, an deren anfang "bekehrung" oder "überzeugen" noch möglich war, weil es etwas gab. was man heute nur noch gelegentlich antrifft: zuhören. ein paar stunden nachdenken über das, was man liest und wie man dazu steht.

man steht am fließband und man produziert am laufenden meter meinungen.

meinungen sind ja okay, jeder hat eine schon qua existenz. ahnung ist da schon heikler. früher war man ja fachidiot, hatte cobol gelernt und das zeichnen von programmabläufen. heute ist man ja eigentlich per se universalgenie, und wenn die eigene schulbildung, das kleine und das große latinum nicht mehr reichen, hurra, wir haben wikipedia.

man redet also mittlerweile mit menschen, bei denen man ahnt: er war schon mal auf wikipedia. er hat wahrscheinlich sogar schon einmal ein buch gelesen. wenn man einem von maltes "schlechtmenschen" begegnet, kann man sich denken, welches.

ist nun aber nicht so, als ob es diese spezies nicht schon vor sarrazyn gegeben hätte. am anfang habe ich darauf noch richtig erschrocken reagiert und als mir bei einem leserkommentar in einem noch nicht nanny-kontrollierten "zeit-forum" der kragen platzte, weil dort ganz ungeniert volksverhetzender müll gepostet wurde, und ich den zentralrat der muslime und die zeitredaktion kontaktierte, erntete ich von beiden nur ein achselzucken. naja, beim zeitforum hat man dann irgendwann eine nanny installiert, die nun wie zerberus über sitte und anstand wacht.

was nichts am allgemeinen tenor ändert: selbsternannte "skeptiker" allerorten, klima, islam, europa. der typus user, der in der lage ist, zwei bücher mit gegensätzlichen meinungen zu lesen und sich, nachdem er vielleicht noch ein drittes mit einer ebenfalls abweichenden meinung hinzugezogen hat, ist dem leserbriefschreiber gewichen, der ein einziges buch gelesen und nur solche gelten läßt, die die meinung in diesem einen buch affirmieren. genau: typus selbsthypnotisierte karnickel. massive störungen in der wahrnehmung einer sehr komplexen wirklichkeit. tunnelrealität.

dumm. wirklich abgrundtief dumm. unfähig zu verstehen, daß sie dumm sind und etwas mit "denken" verwechseln, was im wesentlichen auf autosuggestion hinausläuft. das schaffen künstlicher realitäten, in denen sie sich heimelig fühlen, wo sie schon einmal ein bier zu viel trinken und sich dann leicht daneben benehmen können, ohne daß man ihnen das groß krumm nimmt, affen im rudel, damit beschäftigt einander zu lausen und das dann für ein gespräch zu halten.

ein wesentliches, wahrscheinlich das wesentlichste element, das diesen kreis untergebildeter universaldeppen ausmacht, ist neben der unfähigkeit, irgendetwas anders zu verstehen, wie sie das nun einmal verstehen können, auch ein offensichtlicher mangel an empathie.

empathie unterscheidet, ohne daß das wirklich ausgesprochen wird, die menschen untereinander als sei man mit zwei spezies konfrontiert - neandertaler und homo sapiens haben sich zu einen menschengeschlecht zusammengefunden und leider kann man ihnen nicht mehr ansehen, zu welcher spezies sie gehören. das problem ist dabei weniger, daß es vielleicht ein bißchen dauert, bis man weiss, daß eine person eher in die kategorie steinzeitmensch mit höhlenfixierung und latenter feindseligkeit gegen alles, was noch nie in der höhle war und irgendwie "fremd" ist, gehört.

nein, das eigentliche problem besteht eher darin, daß der "homo sapiens" in diesem spiel verstanden hat, daß es sinnvoller ist, den "neanderthaler" mit respekt zu behandeln und zu versuchen, sich in dessen denken hineinzuversetzen - und der "neanderthaler" seinerseits weder verstehen kann, was für seine höhle nützlich daran sein soll, etwas fremdes zu verstehen. geschweige denn, einfach zu akzeptieren, daß das andere da ist und das selbe recht auf fremdartigkeit hat wie er mit seinem stupiden beharren auf instinktgesteuerter paranois. sie rudeln also zusammen und sobald sich drei gefunden haben, sind sie schon die mehrheit. es nützt nichts, sie auf wahlergebnisse und damit explizit artikulierte "öffentliche meinung" zu verweisen, darauf, daß sie eine kleine, radikale minderheit sind, sie sind viele, sie haben recht, sie hören nicht zu und versuchen, dich selbst dann noch zu missionieren, wenn sie eigentlich längst verstanden haben müssten, daß man sie für einen unterbelichteten grottenolm hält.

ich gebe mich gerne der illusion hin, daß es einmal eine zeit in der republik gegeben hat, in der dumme menschen sich noch dafür schämten, dumm zu sein. das war eine zeit, bevor sie sich nachmittäglich in exhibitionistischen quasselrunden ihre drei sekunden holten, ihr weit hinaus gebrülltes: "ich bin müll. aber ich bin. und die anderen sinds auch. wir sind viele. uga. uga." daß etwa das berufsbild "nutte" - bevor es exzessiv beworben wurde - oder "busenwunder" zu den dingen gehörte, mit denen man sich nicht unbedingt respekt verschaffen konnte. aber die sache ist eh komplexer und das gedächtnis neigt dazu, einem eine vergangenheit vorzugauckeln, die es so wahrscheinlich nicht gab.

überhaupt vergangenheit. das bedeutet heute "gestern". bestenfalls. wahrscheinlich eher "eben". ist also egal für das jetzt, in dem wir damit beschäftigt sind, es bis morgen zu schaffen, ohne einen blassen schimmer davon zu haben, was da sein wird oder sein soll. dafür haben wir einfach zu sehr mit dem "jetzt" zu tun.

wir haben also im grunde das nirvana erreicht, wir sind ganz "im hier und jetzt". das würde baghwan sicher erheitern, diese riesenfabrik, in der (fast) alle für das "nichts" am fließand stehen und das große rad antreiben, die maschien schmieren wie lobotomisierte zombies. nicht "1984", nicht "schöne neue welt" - eher "simulacron", das große menschenexperiment.

die "schlechtmenschen", die "neanderthaler" sind mit der selben, für sie sicher noch verwirrenderen, weil unendlich komplex gewordenen welt konfrontiert. im gegensatz zu dem "homo sapiens", der vielleicht versucht, dem, mit dem er konfrontiert ist, "gerecht" zu werden und die erweiterung seines horizonts als herausforderung akzeptiert, steigert der "schelchtmensch" sich in seine höhleninstinkte und versucht, seine tunnelrealität zusammen zu halten. in diesem sinne hat malte schlicht recht: sie haben zu kleine gehirne und zu kleine pimmel.

schlimmer noch: es wird zeit, ihnen das auch unmissverständlich genau so zu sagen. mit dem vergeblichen versuch aufzuhren, sie zu "bekehren" oder zu "überzeugen". zu kleine gehirne, sorry, da passt nichts mehr rein. zu kleine pimmel für empathischen sex.

nach oslo, da kann es keinen zweifel geben, ist es zeit, laut und deutlich die verachtung auszudrücken, den diese bande unterbelichtert höhlenmenschen verdient, die es immer noch - mit duldung all derer, die den glauben an sanfte überzeugung nicht aufgegeben haben - wagen, ihren müll überall auszubreiten und scheinheilig so zu tun, als hätten sie ein ehrenwertes anliegen und nichts mit den 90 toten zu tun.

sie sind der protofaschistische sumpf, aus dem dieser massenmörder gekrochen ist, es ist der selbe schlamm, den er absondert, in den diese höhlenmenschen hineingesteigert haben. wer darauf hofft, daß sich das auflöst, wenn man tauben nur gut zuredet, irrt.

das ist zeitverschwendung. zeit, die man besser damit zubringen würde, sich der eigenen vision zu vergwissern, wie die norweger das gerade zelebrieren: als die europäische antwort auf die us-9/11 paranoia, die eine ganze generation von "schlechtmenschen" immer fetter hat werden lassen.

seufz, wie ich mich auch anstrenge: ich schaff' einfach keine 1500 seiten für mein manifest.

Kommentare:

  1. Ich bezweifle, dass es einer Lösung förderlich ist die andere Seite als "dumm" zu labeln. Breivik ist nicht dumm, er hat jedoch ein Weltbild das von der einfachen Matritze eines Kulturkampfs zwischen Orient und Okzident überlagert wird und zwar in einem Ausmaß, dass der Zweck so gut wie jedes Mittel heiligt.

    Provokativ: Den Ausdruck "PC - Patrouille" würde er sicher mögen, da er wie viele Rechte Political Correctness als den Feind unserer Zeit ausmacht. Ähnlich wie der von Goebbels mitgeprägte Gutmenschenbegriff ein wundervolles Kampfwort um emanzipatorische Ansätze fertig zu machen.
    Breivik sieht PC als Ausdruck eines kulturellen Marxismus. Um diesem auf die Spur zu kommen nimmt er sich die komplette Frankfurter Schule vor - und trotz allem was er da so liest, immer gefärbt durch die Kulturkampf-Schablone. Der ist nicht dumm oder ungebildet, der ist hochgradig verbildet. Die "schlausten" Menschen können auch die Amoralischsten sein. Adolf Eichmann besaß eine funktionale Intelligenz die ausreichte einen ganzen Holocaust zu planen, aber ein Gewissen nicht für zwei Cent.
    Ein Sarrazin ist auch nicht "dumm", er verfolgt aber Absichten die jemand der eine pluralistische, gleichberechtigte, das Konzept der Menschenrechte achtende Gesellschaft einrichten möchte nicht gut heißen kann.

    Schmidt-Salomon ist finde ich mit Vorsicht zu genießen. Habe den Eindruck der rutscht leicht in Schwarz-Weiß Muster (Willensfreiheit oder Humanität, wieso nicht beides?) und ein Homo Oeconomicus - ähnliches Nutzendenken rein (argument: ich handle ethisch, weil ich(!) etwas davon habe - ich kann auch sehr viel davon haben unethisch zu handeln, die frage ist doch viel mehr, in was für einer welt möchte ich leben?).

    Zurück vom Anfang: Was habe ich davon andere Menschen identitär als "dumm" zu labeln - selbst Terroristen? Ich stelle mich über sie, verleihe mir einen elitären Status. "Ich hab was verstanden, was du nicht weißt. Du menschenfeindliches Arschloch." Das ist sicher wahr, und irgendwo auch das ab einem gewissen Punkt ein bisschen handfestere Argumente als Wörter gebraucht werden müssen. Das fängt lange nicht bei jemandem an der Bomben legt und Jugendliche erschießt, auch nicht bei der Blockade eines Naziaufmarschs oder der notwendigen Zerschlagung von rassistischen Clubs wie NPD, Front National, Vlaams Belang, Pro Deutschland, die Freiheit, Lega Nord, PI-News, Bahamas, CDU/CSU und wie sie alle heißen mögen.

    Aber leider ist die Grenze zwischen "Schlau" und "Dumm", zwischen "homo sapiens" und "Neanderthaler" garnicht so einfach zu ziehen. Vielleicht halt auch weil wir alle irgendwo mit rassistischer und anderer Scheiße vollgestopft sind, durch eine Gesellschaft deren Treibstoff das ist. Sich abzugrenzen bringt kurzfristig was, langfristig hat es keinen Sinn die einen als "dumm" zu labeln und ihnen das auch so zu sagen - allein davon werden das nicht weniger. Menschen kommen auch nicht "dumm" auf die Welt - sie werden so gemacht.

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  2. vielen dank für deine schöne lange antwort, die nicht nur lang ist, sondern vor allem ein paar schöne argumente enthält. aber, der reihe nach, verzeih, daß ich die reihenfolge ändere und meine antwort so wortreich ist, daß ich sie in mehrere teile aufspalten musste.

    also, zuerst einmal michael schmidt-salomon.

    ich kenne den michael persönlich, wenn ich den sehe, nehmen wir uns in den arm, so von einem zappa und gentle giant-fan zum anderen. ich habe in seiner küche und in seiner beeindruckenden bibliothek gesessen, sehr angenehme orte auch wenn die zeit, in der das passierte, für mich nicht angenehm war.

    michael ist für mich vor allem eines: beeindruckend. ich habe nicht viele leute kennengelernt, die mich so beinflusst haben. es ist, als rede man mit einem bücherschrank.

    ich hoffe, die zarte ambivalenz kommt rüber.

    natürlich ist er eine wand und man prallt an ihm ab. das ist ein bißchen so, als versuche man mit temperance "bones" brennan zu flirten. ich hatte ein viel zu kurzes schwert, um mich wirklich mit ihm duellieren zu können, und er hatte damals schon eine viel zu - sorry, nmichael - selbstverliebte ader, um sich darauf einlassen zu können, daß ich zu dem zeitpunkt schon ein radio-feature junkie mit einem relativ breiten spektrum an interessensgebieten war. so lief das ganze eher auf eine sherlock holmes / dr. watson nummer heraus.

    in dem sehr wilden gespräch, an dem nicht nur ich teilnahm, ging es um religion und da ist michael nun mal ein taliban unter verkehrten vorzeichen. er hatte da schon die IRA gegründet, die "initiative für religiöse abrüstung", lief an kirchenfeiertagen mit einem schaumstoffkreuz auf dem rücken herum und hatte gerade das verbot seines "maria syndroms" erleben müssen.

    ich bin überzeugter buddhist seit frühen jugendtagen. da werden gespräche mit ebenso überzeugten atheisten schon mal leichte kraftakte, vor allem, wenn man gegen einen bücherschrank knallt.

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  3. natürlich ist er intellektuell eitel (wie ihm der kritiker seines buches in der dlf rezension auch entgegenhielt), aber sein "können wir wollen, was wir wollen", das ich oben verlinkt habe, ist natürlich der heimliche teppich, auf dem ich mein gedanken ausgebreitet habe wie marrokaner ihr gras - in der hoffnung, dass ein gutes hasch dabei herauskommt, wenn man sie nur lange genug wendet.

    das als kleines vorspiel: ich habe halt kein besseres, griffigeres wort als "dumm" finden können, wenn ich den unterschied zwischen den neanderthalern und den homo sapiens versuche zu pointieren - und die unfähigkeit des "dummen", komplexere sachverhalte zu verstehen und die verzweiflung des dazu fähigen, einem "dummen" eine komplexe welt nahe zu bringen.

    es geht dabei weniger um die "Matrize eines Kulturkampfs zwischen Orient und Okzident" als um genau diesen punkt. der "dumme" könnte jedes wort in deiner formulierung googlen, aber es würde für ihn einfach keinen sinn machen. er kann nur verstehen, was er eben verstehen kann. da sist so banal wie "andere menschen sind anders", aber auch von der selben tiefe. es ist nur eine frage, wie tief man taucht, um die ebenso verheerenden wie erleuchtenden konsequenzen beider sätze zu erkennen

    zum "Ausdruck 'PC - Patrouille'".

    ich denke, PC ist eine der fallen, die die dummen aufstellen und in die wir zwangsläufig tappen. sie versuchen uns mit unseren eigenen mitteln zu schlagen. das fällt ihnen leicht, wir haben einen neurotischen hang, an uns selbst zu zweifeln und weil wir ja tatsächlich mit ein paar nannies (ich denke da zb. an tipper gore) geschlagen sind, menschen mit missionarischem eifer, die am ende nur so etwas wie das verbot von alkohol, drogen und bösen raptexten fordern ohne zu verstehen, daß es ihnen bei genauer betrachtung nur darum geht, die kontrolle über die freiheit des anderen zu gewinnen. daß nun sie statt des papstes die regeln herausgeben wollen. PC ist aus meiner sicht absolut verdammenswürdig.

    die KKK-, äh, PI-jünger sehen das aus einer anderen perspektive. sie wollen sich weiter wie ungehobeltes pack benehmen dürfen und verwechseln die verweigerung der regeln des anstands mit einem kampf gegen politische indoktrination. wenn sie "PC" sagen, meinen sie etwas anderes als ich. ich fordere auch den gesitteten umgang miteinander, den respekt vor menschen anderer provinienz - das hält mich persönlich aber nicht davon ab, "zigeuner" zu sagen oder "negerkuss". nun ja, ich komme aus einer generation, die kippen auf den boden wirft und nicht mit einem miniaschenbecher durch die welt läuft und wenn ich "zigeuner" denke oder sage, dann habe ich die romantische geschichte im kopf, die ich zu meiner schulzeit las, in der ein igel in lehm gerollt auf dem feuer geröstet wird.

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  4. wenn man mich jetzt zwänge, den "zigeuner" als "sinti und roma" zu denken, hätte ich das gefühl, man habe meine phantasie und die assoziationen des wortes kastriert - und verdammt, das würde ich mir nicht gefallen lassen. nur daß tipper mit einem mann verheiratet ist, der in meinen kreise ikonisiert ist, heißt noch lange nicht, daß ich denke, sie gehört zu uns und mich dem diktat ihrer vorstellung von PC unterwerfen, geschweige denn sie auch noch verteidigen muss. ich halte es da eher mit dem auftritt frank zappas zu diesem thema: diese nanny ist ja fast noch schlimmer als ein redneck, der feind in meinem bett sozusagen.

    "Der ist nicht dumm oder ungebildet, der ist hochgradig verbildet".

    das, liebe(r) anonymus, das habe ich geradezu geliebt, das ist ein schöner gedanke. ja, ja, ja: menschen werden nicht dumm geboren - das zu denken mag einem sarrazyn anstehen, mir nicht - sie werden verdummt. 100% zustimmung in diesem punkt.

    zu eichmann hat hannah ahrendt alles gesagt und sich dafür prügeln lassen müssen, daß sie die "banalität des bösen" erkannte und sich vorhalten lassen musste, sie vereinfache doch stark und errege sogar etwas wie mitleid mit der kreatur, in der wir - um uns von ihr abzugrenzen - das "böse" erkennen möchten. nur, um uns davon freizusprechen, daß auch wir böse sind, daß dieses böse teil von uns ist und uns da unsere ganze "PC"-zauberei nichts nutzt. gerade kluge menschen, wenn ihnen denn die empathie abgeht, sind zu den übelsten dingen fähig.

    ich bin zb. ein "fan" von robbespierre und saint juste. kluge männer, ehrenwert, einem kodex der aufklärung anhängend, der alles und jeden am ende auf das holzbrett unter ein hackbeil führt. ich könnte auch dem "ami du peuple", marat, für seinen einsatz loben - wohl wissend, daß man ihm am ende so wenig die diktatur antragen sollte, wie mir. ich wäre ein fürchterlicher dikator und auf dem place du greve wäre die hölle los.

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  5. >> "Ich stelle mich über sie, verleihe mir einen elitären Status.
    >> 'Ich hab was verstanden, was du nicht weißt.
    >> Du menschenfeindliches Arschloch.'"

    auch das habe ich sehr gemocht, weil mir die ambivalenz meiner rede durchaus bewusst ist. aber: ich will mich nicht _über_ die dummen stellen, ich will sie von mir trennen. ich plädiere in meinem "zensur! zensur! zensur!" dafür, ihr geschreibsel von unseren blogs und aus unseren leserbriefseiten zu tilgen und sie des hauses zu verweisen. das ist weniger eine frage der intelektuellen arroganz, es ist eine frage der hygiene.

    >> Vielleicht halt auch weil wir alle irgendwo
    >> mit rassistischer und anderer Scheiße
    >> vollgestopft sind

    sehe ich haargenau so.

    lass mich aber zum kern des problems vordringen. "linke" sind 50% ihrer zeit damit beschäftigt, sich selbst in frage zu stellen, die ideen, denen sie anhängen zu diskutieren, an den eigenen motiven zu zweifeln. "rechte" tun so, als ob sie die kritik an den linken erfunden hätten, als ob es einen bedarf dafür gäbe und sie ihn nun befriedigen.

    weil sie "dumm", sprich unfähig sind, zu verstehen, daß "links" ein viel größeres spektrum an ideen miteinander ringt als es in ihrem kral der fall ist. für sie ist diese kritik am anderen lebenselexier, aber wir werden nie erleben, daß sie einmal so weit vordringen, sich selbst so sehr in frage zu stellen, wie wir das per se und von anfang an tun müssen.

    die kritik dummer menschen an halbwegs gebildeten dient ihnen ja auch eher als schuldzuweisung, als ein "den sündenbock in die wüste treiben", als zeitvertreib, der sie davon abhält, sich selbst zu reflektieren, als stöckchen, über das wir erst einmal springen müssen, bevor wir es "wert" sind, gehört zu werden. es ist ein hamsterrad.

    ja, du hast recht und zwar absolut, auch wir sind voller scheisse. nur, daß wir es ab einem bestimmten punkt wissen. die anderen werden immer sagen "IHR seid voller scheisse"

    und an diesem punkt passiert eben das, was ich in meiner suada pointieren will: wir sind so nett, ihnen auf den leim zu gehen, uns im "dialog" (es ist kein dialog, es ist "nürnberg 2.0") ihnen gegenüber rechtfertigen und die kontrolle über unsere zeit verlieren. am ende stehen wir verunsicherter da, als wir es sein müssten, wenn wir von vorneherein sagen würden "kümmer' dich erst mal um die scheisse, die in dir steckt, bevor du mich hier mit dingen vollaberst, die ich schon vor 20 jahren wusste."

    ich jedenfalls wusste schon in den 70ern, daß RAF und BKA nur zwei seiten einer wurst sind, daß beide sehr sehr deutsch sind - wir wissen, der tod ist ein meister aus deutschland - und nicht hass sondern L.I.E.B.E. der weg ist.

    in diesem sinne mit einem ganz, ganz, ganz alten signet, das ich seit einem dutzend jahre nicht mehr verwendet habe

    one love
    one heart
    let's get together now
    and feel alright ...

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  6. mein absoluter lieblingskommentar

    http://forum.rundschau-online.de/showthread.php?p=47329

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