Montag, 22. August 2011

ach wirklich,

es ist schon wieder sonntag und dabei gab es so viel, worüber man sich in der letzten woche hätte aufregen können: einen 40jährigen, offensichtlich ziemlich naiven CDU politiker zb., der sich zwar mit seinem "es war schlichtweg liebe" und den vergossenen tränchen bei "germany's next schlager-klon" hätte bewerben können - für einen job als ellbogenrempler im norden aber offensichtlich so wenig taugte, daß seine parteifreunde oder die zunächst angebetete und dann ungnädig zugunsten der lockenden parteikarriere tout a coup verstossene 16jährige dafür sorgten, daß er uns in nächster zukunft erspart bleiben dürfte.

was es sonst zu diesem thema zu sagen gibt, hat aber peter zudeick in der sendung "hr der tag: Gefährliche Liebschaft - Wie ein Politiker an der Moral scheitert vom mittwoch schon gesagt. der rest ist heuchelei.


schon eine schreckliche woche, in der die "konservativen" sich mit dem jähen zweifel nicht nur an ihrer "moralischen integrität" vor allem aber an ihrem festen glauben daran, daß man die sponsoren nur schalten und walten lassen muss, damit der laden läuft, konfrontiert sahen und sich daran abarbeiteten, was ihnen frank schirrmacher da vor einer woche vor die füsse geworfen hatte.

ein schönes beispiel dafür ist das gespräch zwischen elmar altvater und thomas straubhaar im swr forum Wie der Kapitalismus Werte zerstört vom donnerstag. während altvater ("Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen") eigentlich verlangen könnte, daß man ihm endlich mal zuhört, ist der straubhaar damit beschäftigt, zu erklären, daß er das ja auch schon immer gesagt habe und - wenn er schon neoliberalismus sage - er sich ja nie auf die "chicago boys" beziehe.

ach g*ttchen, so viel heuchelei kann am ende dann wirklich nur noch michael wolffsohn toppen, für den das alles nur "blah blah" ist. da kann sich der "altgediente konservative" gemütlich im sitz zurücklegen und sich mit "wir sind ja bald am ziel" trösten - der fall aus dem olymp war vielleicht ein bißchen klitzekleines windig, aber so kurz vor dem aufprall ist es doch eigentlich ganz gemütlich in der wolffsohnchen selbsterfahrungstruppe.

die unwilligkeit, etwas dazu zu lernen oder die weigerung, sich den gegebenheiten einer veränderten welt anzupassen, gehört ja sozusagen zum markenkern "waschechter" - oder im wolffsohn'chen duktus (der mann arbeitet schließlich an einer bundeswehrakademie) "altgedienter" - konservativer. pulverrauch, damit kennen sie sich aus, die zucken ganz kurz zusammen, wenn die atombombe gezündet wird und bleiben prinzipientreu, bis die druckwelle kommt. danach folgt dann in der regel das tapfere "hat fast gar nicht wehgetan!"

und was sagt die aufgeklärte "mitte der gesellschaft?"??

tissy bruhns ist eine großartige frau - wie sehr habe ich ihre reportagen aus einem berlin geliebt, in dem die journaille immer mehr mit dem aktuellen cast der soap "bundesregierung" zu einem kuddelmuddel mutiert, der bald schon ganz ohne zuschauer funktionieren wird. ach ja, das muss irgendwann anfang der GroKo und geändert hat sich ... nichts wäre jetzt irgendwie falsch, weil es hat sich ja eine menge geändert, allerdings zum schlechteren.

und jetzt:

ach ja? echt? ist mir bis jetzt noch nie aufgefallen.

oder halt! fällt mir eigentlich jeden tag seit jahrzehnten auf, und ich habe es schon so oft gehört, immer dann, wenn die börse kracht - was mittlerweile so häufig passiert, daß man sich mal langsam gedanken darüber machen könnte, einen feiertag für so was einzuführen.

einfach den kapitalismus als neue religion eintragen lassen und den antrag stellen, einen tag im jahr als börsencrashtag einzuführen. wenn man an dem tag dann auch noch die börsen geschlossen halten würde, hätte das ja den nützlichen effekt, daß der eigentlich crash dann ausfallen würde.

naja, wie man diese burschen kennt, würden sie den feiertag nutzen, sich anständig die kante zu geben und erst am nächsten tag dann doch diese rauf- und runter-nummer mit lustigen zahlen und noch lustigeren gesichtern aufführen.

die brauchen so was, die welt ist erst schön nach dem dritten herzinfarkt und dem sechsten magengeschwür. schon seltsames völkchen diese börsianer: müssen den ganzen tag auf so computerbildschirme gucken und dürfen ihren chefs nicht verraten, daß längst die computer und nicht mehr sie die kugel ins rollen bringen und sie selbst wahrscheinlich nur noch da herumstehen, damit man abends bilder aus dem "börsensaal" hat. nicht nur welche, in denen nicht nur computer herumstehen, lustige rauf und runter zahlen produzieren - aber einfach die lustigen gesichter fehler.

wie auch immer, tissy bruhns hat natürlich recht, sie hat häufig recht - nur: wen schert das??? da nutzt es wahrscheinlich auch nicht viel, wenn die zeit den text übernimmt - ausser man hat spaß daran, der trollgemeinde beim verdauen zuzugucken. wachstums kann man im moment mit einiger sicherheit nur für die dummheit prognostizieren, aber die wird ja nicht an der börse gehandelt. wäre aber eine sichere anlage ...

apropos leserbriefe: was sich da zunehmend entwickelt, zeichnet diese woche dorothea jung in ihrem beitrag Die Quelle des Bösen . Das Weltbild des Anders Breivik für den dlf hintergrund noch mal nach, damit nachher keiner sagen kann, davon hätte man nichts gewusst.

und, wie man damit umgehen sollte, erklärt diese woche mely kiyak "Verachtung am Morgen - Rassismus im Leserforum: Warum helfen Journalisten, die öffentliche Debatte zu vergiften?"

das ist eine frage, die ich vor ein paar wochen hier gestellt habe und da freue mich schon ein wenig nicht mehr ganz alleine zu sein ...

Sonntag, 14. August 2011

das wort & bild zum sonntag

[ temporäre anmerkung 2/2013: lieber besucher, wenn du hier her gelangt bist, weil du im artikel über die SMV auf carta.info von mir hierher gelockt worden bist: mea culpa. 

"roboter" meinte mit seinem hinweis auf den artikel von shoshanna zuboff natürlich nicht den untergang des kapitalismus als solchen, der hier und in der folgenden post mit einem hinweis auf frank schirrmacher und seiner temporären einsicht angedeutet wird ... 

er zielte wohl eher auf das, womit man schon seit 1994 vertraut sein könnte, wenn man rushkoff's cyberia kennt und es sich 1995 bei knaur in deutsch gekauft hat. dir ist in diesem fall besser gedient, wenn du direkt das buch hier herunterlädst und den inhalt mit dem artikel von frau zuboff vergleichst, die die grundsätzlichen ideen des "cyberpunk" aufnimmt, mit den aktuellen paraphernalia sozusagen updatet  und weiterspinnt ... im grunde hippiestoff, der schon von timothy leary angedacht wurde  ... 

mea culpa - so ist das, wenn man eigentlich schon unterwegs ist, um sich die neue folge von "homeland" anzugucken. sorry! aber immerhin hast du jetzt ein schönes bild gesehen und kannst noch mal darüber kichern, wie früh schirrmacher die flinte in korn geworfen hat ... ]


frank schirrmacher (FAZ) hat's offensichtlich endlich verstanden:

das hat er zwar wieder nur irgendwo gelesen und macht nun einen fetten aufmacher daraus, aber was soll's, so macht er das ja immer. wo er recht hat, hat er recht und besser zu spät als nie ...

kleines PS:

er kann einem schon leid tun, der nette herr rösler von der FDP, vor allem wenn er - wie ich gerade feststellen musste - im zdf sommerinterview auf thomas walde trifft. am ende weiss jeder, daß thomas walde ein unerzogener selbstdarsteller ist, der die 10 minuten nutzt, sich so fett wie möglich in die kamera zu pressen und unartig dazwischenzuquasseln. der artige herr rösler kann da nur als plattgewaltzte flunder 'rüberkommen.

so muss man denn in der ersten reihe auf's allerschönste beobachten, wie die information sich zugunsten derer, die sie transportieren sollen, in ein kleines glamouwölkchen verwandelt. bei so viel unverschämter selbstdarstellung könnte man (fast) der versuchung erliegen, das ZDF privatisieren zu wollen und am ende gar aus purem trotz die FDP zu wählen.

just joking, so blöd kann man nicht sein ...

eindeutig der falsche titel!

Die "Junge Welt" titelt heute
"Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke
  • für 28 Jahre Friedenssicherung in Europa
  • für 28 Jahre ohne Beteiligung deutscher Soldaten an Kriegseinsätzen
  • für 28 Jahre ohne Hartz IV und Erwerbslosigkeit
  • für 28 Jahre ohne Obdachlosigkeit, Suppenküchen und »Tafeln«
  • für 28 Jahre Versorgung mit Krippen- und Kindergartenplätzen
  • für 28 Jahre ohne Neonaziplakate »GAS geben« in der deutschen Hauptstadt
  • für 28 Jahre Geschichtswissenschaft statt Guidoknoppgeschichtchen
  • für 28 Jahre Club Cola und FKK
  • für 28 Jahre ohne Hedgefonds und Private-Equity-Heuschrecken
  • für 28 Jahre ohne Praxisgebühr und Zwei-Klassen-Medizin
  • für 28 Jahre Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe
  • für 28 Jahre munteren Sex ohne »Feuchtgebiete« und Bild-Fachwissen"
das ist eindeutig der falsche titel.

Donnerstag, 11. August 2011

das ist so was von gemein

das internet ist ein toller ort.

wenn einem danach ist, legt man sich ein alias zu und erfindet sich neu oder man läßt einfach mal dampf ab, erleichtert sich von allem, was einem auf der seele liegt oder einfach nur im magen drückt. es finden sich immer welche, die sich nur zu gerne erklären lassen, wie die welt wirklich! funktioniert.

daß zb. die riots in england - wer hätte es gedacht - ganz eindeutig irgendwie mit dem ramadan zusammenhängen. wie ja alles irgendwie mit dem islam zu tun hat, jedenfalls alles böse und die guten bloß irgendwie mißverstanden werden. überhaupt, daß endlich mal die ganzen polit- und wissenschaftsgangster vor ein "nürnberg 2.0" gestellt gehörten. so was alles, eben, was man in der physischen gegenwart anderer menschen nicht einfach so sagen würde. weil die einen dann vielleicht für komplett bescheuert halten könnten.

im internet hingegen finden sich immer ein paar, die noch verstörter sind als man selbst und das geschwurbel, das man so absondert, für eine offenbarung halten: endlich einer, der genau so bekloppt ist wie ich und es furchtlos ausspricht. so gewinnt man "follower".

Mittwoch, 10. August 2011

ganz eindeutig: unentschieden!

meine lieblingsszene in "die ritter von der kokosnuss": einigen wir uns auf ein unentschieden.

dieter göbel vom LVR hat wahrscheinlich sogar gewonnen. es hat bloß keiner gemerkt und deshalb bringt er sich wieder in erinnerung: "Wir haben nicht zu schnell geschossen."

stimmt. es hat fast drei wochen gedauert. als ausgleich wurde dann der kleine bruder von "fat boy" abgefeuert. collateral damage, all inclusive, bis hin zum fall out am verwaltungsgericht aachen. der verzicht darauf, gegen diese entscheidung einspruch einzulegen, das ist mindestens ein "unentschieden", keine frage.

martina schulte erklärt in der web-show, warum es jetzt auch an der börse so etwas ein "unentschieden" gibt. keine ahnung, wo die die jungfrauen aufgetrieben haben. ist aber auf jeden fall, so wie die lage aussieht, eine gute idee.

auch eine gute idee: alte clash-platten auflegen. "white riot", "guns of brixton" oder "London Falling" sind irgendwie evergreens, oldies but goldies sozusagen.

g*ttseidank sind wir nicht in england, bei uns passiert sowas sicher nicht.